Anästhesie
Endokrinologische Narkosen

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Anästhesie bei endokrinischen Erkrankungen

 

Hyperthyreose 

  • diese Patienten neigen zu Hypertonie, Ruhelosigkeit und emotionaler Labilität
  • die Schilddrüsenhormone steigern die Wirkung der Katecholamine am Herzmuskel (erhöhte Herzfrequenz und Reizbildung, was zu Vorhofflimmern und Arrythmien führt)
  • der O2- Bedarf und der Narkosebedarf ist erhöht
  • erschwerte Intubation durch Verlagerung der Trachea
  • auf  ATROPIN® sollte am OP-Tag verzichtet werden
  • der Patient wird im OP in halbsitzender Lage mit überstreckten Kopf gelagert
  • bei der Ausleitung sollte Husten vermieden werden, um einem Nachbluten entgegenzuwirken

Thyreotoxische  Krise 

  • Zeichen:
    • Schweißausbrüche
    • Tachykardie
    • Übelkeit
    • Tachypnoe
    • Nervosität
    • bis Koma
  • Therapie :
    • Natriumjodid
    • evtl. Cortison
    • evtl. Betablocker
    • Katecholamine oder Digitalis
    • Sedierung
    • evtl. Beatmung

Hypothyreose 

  • Zeichen :
    • motorische und geistige Verlangsamung
    • Hypotonie
    • trockene Haut
    • Bradykardie
    • Kältetolleranz
    • Empfindlichkeit gegenüber Sedativa
    • alle Medikamente werden verzögert abgebaut und somit werden weniger gebraucht

Diabetes mellitus 

  • Narkoserisiko
    • besteht aus den typischen Begleiterkrankungen:
    • diabetische Kardiopathie
    • Neuropathie
    • Neigung zu postnarkotischen Blasenentleerungsstörungen
    • Harnwegsinfekte
    • allgemeine Infekte
    • Abwehrschwäche
    • eingeschränkte Nierenfunktion
    • schlechte Wundheilung
    • dazu kommt, dass Störungen im Zuckerstoffwechsel auftreten, bedingt durch OP/ Anästhesie (der gewohnte Diätplan oder Einnahme der Medikamente ist unterbrochen)
      • ð  Hypoglykämie (Therapie: Glucosezufuhr)
      • ð  Hyperglykämie (Therapie: Altinsulin, wird auf der IPE gelagert)
  • Narkoseverfahren:
    • SEVORANE®, wie auch die Regionalanästhesien haben eine geringe Auswirkung auf den Blutzuckerspiegel
    • der insulinpflichtige Patient sollte an den Anfang des OP-Tages gesetzt werden
    • es sollte ein aktueller Nüchtern -Blutzuckerspiegel vorliegen (der Nüchtern - Blutzucker sollte beim Altersdiabethes nicht über 130 mg% liegen)
    • intraoperativ muss des öfteren der Blutzuckerspiegel bestimmt werden (mind. 4 Stdl.)

Sonstiges:

  • Insulin muss kühl gelagert werden
  • vor der Injektion gut mischen, nicht schütteln
  • Erstentnahme auf der Ampulle vermerken (dann nur noch  4 Wochen haltbar)

Cushing- Syndrom 

Überschuss an Glukokortikoiden durch eine zu langfristige Kortisongabe.

  • Symptome:                 
    • Stammfettsucht
    • Muskelatrophie
    • Osteoporose
    • Neigung zu Hypertonie und Hypokaliämie
    • Ulcus- Prädisposition
    • meist müssen während der Operation 100 mg Hydrocortison gegeben werden

Phäochromozytom 

Erhöhte Sekretion von Adrenalin und Noradrenalin aus dem Nebennierenmark, auch durch einen Tumor.

  • Symptome:     
    • art. Hypertonie
    • Kopfschmerzen
    • generalisierte Schweißausbrüche
    • Herzklopfen
    • Rötung des Gesichts
    • Rhythmusstörungen

Operationsletalität : 2-5 %

  • Besonderheiten:
    • RR- Anstieg bei der Lagerung oder am Anfang der Operation
    • plötzliche Blutdruckabfälle nach der Entfernung des Tumors (überschießende Gegenreaktion)
    • deshalb engmaschige Beobachtung des Blutdrucks (art. Kanüle) und Reanimationsbereitschaft