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Hernie

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Hernie

Vorfall von Eingeweideanteilen (= Bruchinhalt) mit sackartiger Ausstülpung des Peritoneums (= Bruchsack) durch eine Bauchwandlücke (= Bruchpforte) hindurch.

Leitmerkmale: oft nur geringe Beschwerden, Schmerz, Vorwölbung
Einteilung
  • angeborene/nicht angeborene Hernien
  • äußere/innere Hernien
  • reponible, irreponible, inkarzerierte Hernien
  • Gleithernien (Bruchsack fehlt)
  • echte Hernien (vollständig mit Peritoneum überzogen)
Namen
  • epigastrische Hernie: durch eine Lücke der Linea alba
  • Herniae obturatoriae: durch den Hüftlochkanal
  • ischiadische Hernie: durch das großer oder kleine Sitzbeinloch
  • laterale Bauchwandhernien: am Seitenrand der Rektusscheide
  • Leistenhernie: am Leistenkanal
  • lumbale Hernie: am Lendendreieck
  • lumbokostale Hernie: durch das Trigonum lumbocostale
  • Nabelhernie: am Nabel
  • Narbenhernie: durch eine Narbe
  • parasternale Hernie: neben dem Processus xiphoideus
  • perineale Hernie: im Beckenboden
  • supravesikale Hernie: oberhalb der Harnblase
Einteilung nach Bruchpforten
  • epigastrische Hernie: durch Lücken in der Linea alba (zwischen Brustbein und Nabel)
  • Herniae obturatoriae: durch den Canalis obturatorius
  • ischiadische Hernie: durch das Foramen ischiadicum majus oder minus  (Sitzbeinloch)
  • laterale Bauchwandhernie: am Seitenrand der Rektusscheide
  • parasternale Hernie: durch das Trigonum sternocostale (neben dem Processus xiphoideum)
  • perineale Hernie: durch Lücken in der Membrana perinei oder M. levator ani (Beckenboden)
  • supravesikale Hernie: durch die Fossa supravesicalis oberhalb der Harnblase
Arten
  • Leistenhernie
    • häufigste Hernienform, zu 90% Männern, 20% beidseits
    • indirekte Hernien: verlaufen aus dem inneren Leistenring, lateral der epigastrischen Gefäße durch den Leistenkanal
    • Skrotalhernie: reichen bis in den Hodensack
    • direkte Hernien: Durchtrittsstelle liegt medial der epigastrischen Gefäße, Bruchsack durchsetzt die Bauchdecken auf direktem Weg, verläuft im Leistenkanal
  • Schenkelhernie
    • überwiegend bei Frauen
    • Bruchpforte liegt unmittelbar unter dem Leistenband und medial der Femoralgefäße
    • hohe Inkarzerationsgefahr
  • Nabelhernie
    • Vorwölbung der Baucheingeweide durch die Faszienlücke des Nabels
    • Ursachen: angeboren, Schwangerschaft, körperliche Belastung, Adipositas, Operation, wiederholter Aszites
  • Epigastrische Hernie
    • Ausstülpung des Bauchfells durch eine Bauchwandlücke
    • Ursachen: intraabdominale Drucksteigerung
  • Narbenhernien
    • Hernie im Bereich einer Operationsnarbe
    • begünstigende Faktoren: Wundinfektionen, postoperative Blutung, Eiweißmangel, Adipositas, abdominelle Drucksteigerung durch Husten, Pressen
Ursachen angeboren (selten): Bauchwand ist nicht vollständig verschlossen
anlagebedingte Schwäche der Bauchwand (Bindegewebsschwäche)
Verletzung
erhöhter intraabdomineller Druck: chronische Obstipation, Prostataadenom, Aszites
chronische Bronchitis (Husten)
begünstigende Faktoren: Adipositas
Symptome
  • Allgemeinsymptome: unspezifischer, stechender, ausstrahlender Schmerz beim Anspannen der Bauchmuskulatur, Stuhlunregelmäßigkeiten, evtl. Übelkeit, Erbrechen
  • äußere Hernien: Vorwölbung (Darmgeräusche sind hörbar), Bauchwand tritt nach außen (Bruchgeschwulst: v.a. bei Husten, Niesen), Schmerzen am Bruchsack (Vorwölbung)
  • innere Hernien: erst bei Komplikationen (Ileus)
Diagnose Anamnese: schweres Heben, Sportler, chronischer Husten
Körperliche Untersuchung:
Inspektion und Palpation (vorsichtig!): der Bruchpforte unter Bauchpresse am stehenden Patienten (immer beidseits), Leistenkanal untersuchen (Pulse tastbar, Hoden, Coxarthrose)
Auskultation: Darmgeräusche im Bruchsack
rektale Untersuchung
Apparative Diagnostik: Sonographie, Röntgen (Abdomen)

Differentialdiagose
  • allgemein: Lymphknoten-Metastasen, Lipom, Zysten, Abszesse
  • enteral: Appendizitis, Divertikulitis
  • Erkrankungen des Stütz-/ Bewegungsapparates (Hüftgelenk, Wirbelsäule)
  • urologisch: Hydrozele, Hodenhochstand, Harnleitersteine
  • gynäkologische Erkrankungen
Komplikationen Inkarzeration (Einklemmung): anfangs Schwellung, Rötung und Schmerzen, später Ischämie der Darmwand, Gangrän, Ileus, Peritonitis und akutes Abdomen

Therapie
  • Medikamentöse Therapie: manuelle Reposition, Bruchband
  • Operative Therapie: bei Einklemmung
Prognose Rezidivrate bei 5%

 

Feineinteilung
Bruchpforte Erweiterte Lücke in der Bauchwand
Bruchsack Ausgestülptes Peritoneum und Faszien in der Bruchpforte
Bruchinhalt Eingeweide im Bruchsack (Netz, Dünn-/Dickdarm usw.)
Platzbauch Aufgeplatzte Operationswunde

 

Notfall

Eingeklemmte Hernie:

  • Anruf: Notarzt
  • Allgemeinmaßnahmen: Patienten beruhigen, Patient zudecken
  • Lagerung: vom Patienten gewünschte Lage (evtl. Knierolle)
  • Vitalzeichenkontrolle: engmaschig
  • Zusatzmaßnahmen: Sauerstoffgabe, i.v.- Zugang

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