Krankheiten
Herpes zoster

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Herpes zoster (Gürtelrose)

„Gürtelrose“, Zweitinfektion mit dem Windpockenerreger, hoch kontagiös.

Leitmerkmale: starke Schmerzen im Ausbreitungsgebiet von Rückenmarks- oder Hirnnerven (gürtelförmig), gruppierte Bläschen auf gerötetem Grund entlang eines/mehrerer Dermatome
Erreger Varicella-Zoster-Virus

Ausbreitung Weltweit (v.a. ältere Menschen und bei Immunschwäche)

Ansteckung
  • Erstinfektion: Tröpfcheninfektion (Erreger im Bläscheninhalt/ Körpersekrete; evtl. Kontakt-/Staubinfektion): Windpockenerkrankung (nach der Erkrankung bleibt das Virus in den Gliazellen der Spinalganglien)
  • Reaktivierung aufgrund einer Immunschwäche (häufig), bei Tumoren, Vergiftungen, AIDS, Leukämie, Diabetes mellitus, ältere Leute, Stress
  • Reinfektion bei Teilimmunität (selten) aufgrund eines an Windpocken/Gürtelrose-Erkrankten  (1 oder 2 Dermatome sind betroffen, Bläscheninhalt ist infektiös)
Inkubationszeit 1-2 Wochen

Pathogenese Nach einer Windpockeninfektion gelangen die Viren über die Haut, dann über sensible Nerven bis zum Rückenmark. Dort bleiben sie dann ein lebenslang. Werden die Viren reaktiviert (Abwehrschwäche) gelangen sie entlang der Nerven zurück zur Haut.

Ursachen
  • Varicella-Zoster-Virus (Jahre/Jahrzehnte nach einer Windpockeninfektion)
Symptome
  • Allgemeinsymptome: starke Schmerzen, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Temperaturerhöhung
  • Prodromalstadium: subfrebrile Temperaturen, Frösteln, Unwohlsein, Kribbeln und Schmerzen in dem Hautbezirk, in dem später der Ausschlag auftritt
  • nach wenigen Tagen: Hautausschlag, starke Nervenschmerzen
  • Mitbeteiligung von inneren Organen (Herz, Magen, Galle, Leber, Niere)
  • die Hauterscheinungen heilen nach 2-3 Wochen ab
  • Nervenschmerzen können noch Wochen, Monate, Jahre (unterschiedlicher Stärke) bleiben

Hautausschlag:

  • im Gebiet eines oder zwei Rückenmark- oder Hirnnerven
  • befallenes Gebiet ist überempfindlich, sehr schmerzhaft
  • 2-3 Tage später, gruppiert, eitrig, verschorft, auf gerötetem Grund entlang eines/mehrere Dermatome, stecknadelkopfgroße Bläschen/Papeln/ Pustelgruppen, Inhalt zuerst klar, später trüb
  • nach 7-10 Tagen Krustenbildung, Ausheilung ohne Narbenbildung (evtl. 2-4Wochen)

  • Schmerzen/Missempfindungen: über Monate
Diagnose Anamnese: durchgemachte Windpockenerkrankung, schlechter Immunstatus (oft krank/müde, Stress, Gewichtsverlust)
Labor: Viren im Bläscheninhalt, Blut (Antikörper)

Differentialdiagnose Varizellen, Herpes simplex, Neuralgien, Erysipel

Komplikationen
  • Generalisierung der Erkrankung (bei malignen Erkrankungen): die gesamte Haut und die inneren Organe sind befallen (einschließlich Gehirn)
  • Erblindung, Fazialisparese, jahrelange brennende, kaum zu ertragende Schmerzen
  • ausgeprägte persistierende Trigeminusneuralgie
  • Augen-/Innenohrmitbeteiligung, Neuralgien (Gehör, Geschmack), Meningitis, Enzephalitis, Ulzerationen, Nekrosen, Neuralgien
Immunität/Prophylaxe
  • lang dauernd
  • Windpockenimpfung bei immungeschwächten Patienten
Therapie
  • Allgemeinmaßnahmen: akut Bettruhe, bei leichteren Fällen: abwehrsteigernde Maßnahmen, Haut mit austrocknenden, desinfizierenden Mittel (Zinkpaste) einreiben, Kratzen vermeiden (Ausbreitung der Erkrankung)
  • Naturheilkundliche Therapie: Akupunktur, Enzymtherapie, Eigenbluttherapie, Homöopathie, Neuraltherapie, Schmerztherapie, Schüssler Salze
  • Medikamentöse Therapie: Virostatika (Valaciclovir, Aciclovir), Analgetika, Abwehrsteigerung, Antidepressiva, Neuroleptika
Meldepflicht

Keine

Prognose Heilt meist folgenlos ab, kann aber auch auf innere Organe übergreifen, kommt selten ein 2. Mal.

Sonderformen Zoster ophthalmicus:

  • es kommt zu heftigen, halbseitigen Kopfschmerzen, Lidödem
  • Bläschenausschlag: an Stirn, Nasenwurzel, behaarter Kopfhaut
  • evtl. Beteiligung der Augenbindehaut, Hornhaut => Erblindung
Zoster opticus:

  • N. facialis, N. vestibulocochlearis betroffen
  • Ohrenschmerzen mit Hautausschlag
  • Fazialislähmung, Schwerhörigkeit, Taubheit
Kurzbeschreibung Nach einem schmerzhaften Hautausschlag (ausgelöst durch Varizella-Zoster Virus) kommt es zur Entzündung eines Nerves. Danach greift die Entzündung auf das entsprechende Haut-Dermatorm über.

 

Cave
Nicht nur der an Windpocken Erkrankte ist infektiös, sondern auch der an Gürtelrose Erkrankte.

gg