Anästhesie
Kinder - Narkoseführung

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Narkoseführung

 

Vor der Operation

  • Kinder unterhalb des Kindergartenalters leiden unter der Trennung von der Mutter
  • im Vorschulalter haben sie vermehrte Angst vor Verstümmelung und Verletzung
  • Schulkinder können evtl. schon durch richtige und sachgemäße Aufklärung beruhigt werden
  • Nahrungskarenz:           Säuglinge:  3- 4 Std.     Kleinkinder : 6 Std.
  • ein Kind sollte immer zu Beginn des OP- Programmes operiert werden

Narkoseart

Regionalanästhesien bleiben die Ausnahme

  • Inhalationsnarkosen (v.a. für kurzdauernde und ambulante Eingriffe):  das am meisten gebrauchte Inhalationsanästhetikum ist SEVORANE®. Hierbei kann es zu raschen Blutdruckabfall kommen, da Kinder sehr rasch das Gas aufnehmen
  • Intravenöse Anästhesie: Am häufigsten wird mit PROPOPHOL®  eingeleitet Dazu kommt noch FENTANYL® und ATRACRIUM®. SUCCINYL® wird nur mehr bei Ileus oder bei nicht nüchternem Kind verwendet.  Erst ab einem Körpergewicht von 12- 15 Kg wird als Vorgabe ein nichtdepolarisierendes Muskelrelaxans verwendet

Narkosezubehör

  • Medikamente:
    • Kinder unter 1 Jahr: LYSTENON® : 1 ml wird mit 9 ml 0,9 % NaCl aufgezogen ( 1ml = 2mg), ATROPIN®:      1 ml wird mit 9 ml 0,9 % NaCl aufgezogen ( 1ml = 0,05 mg)
    • Kinder über 1 Jahr: LYSTENON® sollte nicht mehr verwendet werden, sonst 1 Amp. wird mit 5 ml 0,9 % NaCl aufgezogen ( 1ml = 10mg)
  • Infusionsgeräte:
    • bei Säuglingen wird die Infusion über einen Perfusor gegeben
    • bei Kleinkindern über einen Infusomaten
    • als Standard wird eine RINGER®- Lösung (500 ml ) verwendet
  •  Masken: (Rendell- Baker- Masken)

                               Frühgeborene:  Kindermaske 0

                               Neugeborene:   Kindermaske 1

                               1- 3 Jahre:        Kindermaske 2

                               3- 4 Jahre:        Kindermaske 3

  • Güdeltuben:
    • bei Säuglingen und Kindern unter 1 Jahr wird eine Mullbinde verwendet
    • für die größeren Kindern stehen Größen von 0, 1 und 2 zur Verfügung
  • Endotrachealtuben:
    • Formel zur Errechnung der erforderlichen Größe:           Lebensalter + 16 ZH
    •  oder:    Innendurchmesser = Größe ZH – 2  geteilt durch 4
    • als Anhalt kann auch der kleiner Finger des Kindes dienen
    • bei der Intubation muss je ein Tubus eine Nummer größer oder kleiner dazu gelegt werden                        
  •  Laryngoskope:
    •  0 für Frühgeborene
    •  1 für Neugeborene
    •  2 für größere Kinder
  •  Narkosegerät:
    • für die Kinderbeatmung muss das Monitoring am Beatmungsgerät auf Kinder umgestellt werden, da sonst laufend Alarme ausgelöst werden
  • Narkosesysteme:
    • bei allen Kindern unter 8 Jahren wird ein Ulmer- System verwendet
  • Blutdruckmanschette:
    • die Manschette muss/darf 2 Drittel bis 3 Viertel des Oberarmes nur umfassen
  • Kinderbakterienfilter:
    • für Kinder gibt es entsprechend kleine mit einem kleineren Todraumvolumen                 
  • Führungsstab:
    • ein Führungsstab, der für die Kindertuben geeignet ist, sollte immer bereitliegen
  • Präkordiales Stethoskop:
    • es dient der Überwachung von der Atmung und der Herztöne
  •  Absaugkatheter:
    • für Kinder müssen Katheter der Größe CH 6- 8 bereitliegen
  •  Magillzange:
    • eine kleine, kindgerechte Magillzange muss auf dem Intubationstischchen liegen

Vorbereitung

  • Medikamente
  • Infusionsgeräte
  • Masken
  • Güdeltuben
  • Endotrachealtuben
  • Laryngoskop
  • Narkosegerät
  • Narkosesysteme
  • Blutdruckmanschette
  • Kinderbeatmungsfilter
  • Führungsstab
  • präcordiales Stethoskop
  • Absaugkatheter
  • Magill- Zange
  • Kinderschütte mitnehmen

Monitoring

  • EKG- Monitor
  • automatische Blutdruckmessung
  • O2 – Sättigung
  • CO2 – Messung
  • Temperatursonde

Narkoseeinleitung

  • Inhalationsnarkose: (v.a. bei Kindern, die sich keine Nadel legen lassen)
    • das Kind wird über die Verwendung der Maske vorgewarnt. Schrittweise wird SEVORANE® dazugegeben (riecht schlecht). Sobald das Kind schläft wird die Maske fest aufgesetzt, das Kinn hochgehoben und der Kopf überstreckt. Jetzt kann ein venöser Zugang gelegt werden
  • Intravenöse Narkosen:
    • bei älteren Kindern, die sich die Venenpunktion gefallen lassen (Durchführung wie beim Erwachsenen)
    • man sollte darauf achten, dass die Kinder eine halbe Stunde vor OP- Beginn auf die Einstichstelle der Infusionsnadel ein EMLA®- Pflaster bekommen

Kinder dürfen im OP- Saal niemals unbeaufsichtigt gelassen werden!

Intubation

  • im 1. Lebensjahr sollten assistiert beatmet werden ( „an die Hand genommen“), da sie eine verminderte chir. Toleranz und eine schnellere Atemdepression haben können
  • 2- 3 Minuten präoxygenieren
  • Kopf in Schnüffelstellung bringen
  • Tubus sofort auf die richtige Lage hin überprüfen
  • die richtige Größe des Tubus ist wichtig, da er ja unter 6 Jahren nicht geblockt wird. Bei zu kleinem Tubus (zu viel Atemgas entweicht) muss er durch einen nächst Größeren ausgetauscht werden
  • der Tubus muss sehr gut fixiert werden
  • der Kopf des Kindes sollte mit einem Kopfring gegen Verwackeln geschützt werden
  • nach der Intubation: ein Schmerzzäpfchen

Aufrechterhaltung der

Narkose

  • Spontanatmung mit SEVORANE® und O2 (CAVE: Toxizität FiO2 0,4 bei Säuglingen)
  • Beatmungsnarkose mit SEVORANE® in niedriger Dosierung ( 0,5- 1 Vol%)
  • Beatmungsfrequenz:

                        Frühgeborene:  40 –60 /Min

                        Säuglinge:        30 –35 /Min

                        Kleinkinder:      30 – 35 /Min

                        Schulkinder:     20 – 25 /Min

  • Inspiration/ Exspiration: 1: 1,5
  •  angestrebter pO2 : 80 – 100
  •  Inspirationsdruck: bis ca. 20 cmH2O

Wärmezufuhr

  • bei Kleinkindern wird immer der Kindertisch mit einer Wärmematte verwendet, die vor Gebrauch auf ihre ordnungsgemäße Funktion hin zu überprüfen ist
  • Dde Infusionsflaschen sollten angewärmt sein
  • evtl. eine Wärmelappe verwenden
  • die Extremitäten und der Oberkörper werden mit Watte eingewickelt
  • der Kopf erhält evtl. eine Mütze aus Watte (v.a. bei Kindern unter 1 Jahr)
  • Die Türen des Operationssaales müssen geschlossen bleiben
  • der Raum muss zusätzlich aufgeheizt werden (mindestens eine ½ Stunde vorher die Technik im Haus verständigen)

Flüssigkeitszufuhr

  • ersten 10 Kg  Körpergewicht:  4ml/Kg/h
  • zweiten 10 Kg  Körpergewicht:  2ml/Kg/h
  • jedes weitere  Kg  Körpergewicht:  1ml/Kg/h
  • als Infusion wird eine Ringer® 250 ml verwendet

Narkoseausleitung

  • Voraussetzungen für eine Extubation:
    • stabile Herz- Kreislauffunktion
    • Körpertemperatur im Normbereich
    • ausreichende Spontanatmung unter Raumluft
    • intakte Schutzreflexe
  • Ablauf:
    • Mund- Rachen- Raum mit weichem, ausreichend dicken Absauger absaugen (ggf. auch Magen), da Kinder eine vermehrte Speichelbildung haben
    • Intubationsbesteck muss vorhanden sein (Vorbereitung auf Schwierigkeiten bei der Extubation)
    • bei ausreichender Spontanatmung mit Überdruck extubieren
    • bei Extubation nicht tracheal absaugen (Gefahr des Laryngospasmus)
    • Kind in stabile Seitenlage bringen
    • einige Minuten 100 % Sauerstoff über Maske zuführen
    • Kind wird erst abgegeben, wenn die Spontanatmung über einige Minuten stabil ist
    • Übergabe an die Kinderstation (Seitengitter hochziehen !)
    • wenn noch nicht präop gegeben wurde dann vor Extubation ein Schmerz-Zäpfchen