Anästhesie
Kinderanästhesie

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Kinderanästhesie

 

Definition

Besonderheiten

Ein Kind ist kein kleiner Erwachsener. Es bestehen anatomische, psychologische, physiologische und biologische Unterschiede. Je kleiner das Kind ist, desto größer sind die Unterschiede zum Erwachsenen.

Neugeboren

  1. bis 28. Lebenstag

3- 6 KgKG

Säugling

bis 1. Lebensjahr

6-14 KgKG

Kleinkind

2- 5 Jahre

14- 20 KgKG

Schulkind

6- 14 Jahre

> 20 KgKG

Atmung

  • enge Luftwege (Stimmritze, Trachea) => Schwellungsgefahr
  • große Zunge  => schwierige Intubation
  • kurzer Hals => einseitige Intubation
  • hochstehender Kehlkopf
  • die engste Stelle im Kehlkopfbereich befindet sich unterhalb der Stimmritze
  • rechter und linker Hauptbronchos entspringen im Winkel von 55o  => einseitige Intubation
  • alveoläre Ventilation ist doppelt so hoch wie beim Erwachsenen (100- 150 ml/ Kg/ Min.)
  • Atemfrequenz ist höher :

Neugeborenes

40- 60/ Min

Säugling

30- 60

3 Jahre

30- 40

10 Jahre

20

  • Atemwegsdruck: Plateaudruck bei ca. 15 mbar
  • Atemtechnik: Neugeborene und Säuglinge atmen überwiegend mit dem Zwerchfell
  • O2- Verbrauch: 6ml/Kg/Min. (doppelt so hoch wie beim Erwachsenen. Erst ab 8- 10 Jahre ist der Verbrauch gleich dem Erwachsenen)

Herz/Kreislauf

Der Ductus Botalli schließt sich 10- 15 Std. nach Geburt. Er ist jedoch erst nach 4- 6 Wochen anatomisch verschlossen. Das heißt, dass er sich in dieser Zeit bei Hypoxie und/oder Azidose wieder öffnen kann.

  • der Kreislauf des Neugeborenen ist zentralisiert (keine Reserve in der Peripherie bei Volumenmangel)
  • die Herzfrequenz ist hoch, der Blutdruck niedrig:

Alter

Herzfrequenz

RR, systolisch

RR, diastolisch

Frühgeburten

120 – 170

50 +/- 3

30 +/- 2

Neugeborene

115 – 150

70 +/- 8

50 +/- 5

6 Monate

100 – 140

90 +/- 30

60 +/- 10

1 Jahr

100 – 140

95 +/- 30

65 +/- 25

2- 4 Jahre

80 – 130

100 +/- 25

65 +/- 20

5- 9 Jahre

80 – 100

100 +/- 15

65 +/- 10

10- 14 Jahre

70 – 90

115 +/- 20

60 +/ - 10

  • der Intubation kann es zu ernsten Bradykardien kommen
  • eine Verringerung des HMV kann nur durch eine höhere Frequenz ausgeglichen werden => schlechte Anpassung bei Volumenmangel
  • bei Bradykardie muss immer zuerst eine Hypoxämie ausgeschlossen werden
  • bei der Blutdruckmessung muss auf die Breite der Manschette geachtet werden
  • das Blutvolumen beträgt 80- 85 ml /KgKG

Temperatur

  • Gefahr des Wärmeverlustes durch
  • große Körperoberfläche (je kleiner der Pat. desto größer die Körperoberfläche)
  • geringe Hautdicke (wenig Fettgewebe)
  • Muskelzittern können Kinder erst ab 6 Jahre
  • Wärmeproduktion bei den Neugeborenen nur durch Metabolismus im braunen Fettgewebe
  • bei Hypothermie sinken die Herz- und Atemfrequenz => Vermehrter Abbau von Glucose, Aminosäuren und Fettsäuren => Gefahr der Hypoglykämie und metabolischen Azidose.
  • Maßnahmen:
    • erst kurz vor OP- Beginn entkleiden
    • Erhöhung der Raumtemperatur (der Bereitschaftsdienst hat die Aufgabe bei der Technik am Vortag anzurufen und die Temperatur für den nächsten OP- Tag im entsprechenden OP, in dem ein Kind operiert wird,  zu erhöhen => ersichtlich am OP- Plan)
    • Kinder- Heizmatte verwenden
    • warme Infusionen
    • Kinder in Watte einwickeln und mit Wärmedecken zudecken  (Kopf nicht vergessen!)
    • bei Kleinkindern immer Temperatur messen
    • Kleidung in den Wärmeschrank geben.
    • Bett mit Wärmflasche (Kinderstation)

Blut

  • Blutvolumen ist bei Kindern im Verhältnis zum Körper größer
  • bei Neugeborenen ist die Hb- Konzentration hoch, danach niedrig
  • gesunde Kinder ertragen einen Hb- Abfall von 20 % (berechnet vom Ausgangs- Hb)
  • geringe Blutverluste führen zu lebendsbedrohlichen Volumenmangel

Stoffwechsel

  • der Grundumsatz ist 2 bis 3 mal so hoch wie beim Erwachsenen
  • unter Stress kann es zu Hypoglykämien kommen (wenig Energiereserven)

Wasser-/
Elektrolythaushalt

  • extrazellulär ist der Wasserhaushalt bei Kindern unter 2 Jahren höher als beim Erwachsenen
  • Flüssigkeitsverluste werden sehr schlecht toleriert

Pharmakologische
Besonderheiten

  • oral zugeführte Substanzen werden vermindert oder verzögert aufgenommen
  • Babiturate: Kinder reagieren sehr empfindlich auf sie. Die Biotransformation und die Ausscheidung sind verzögert
  • Propofol: Kinder brauchen eine höhere Dosis als  Erwachsene
  • Opiate: stärkere Atemdepression als beim Erwachsenen, Wirkung unter Umständen verlängert
  • Benzodiazepine: Wirkung verlängert
  • Ketamin: höherer Verbrauch (Dosis, öfters Nachinjektion)
  • Muskelrelaxantien: höherer Verbrauch
  • Inhalationsnarkotika: schnellere An- und Abflutung, höhere Konzentration nötig
  • Sauerstofftoxizität (Neugeborene FiO2 > 50%): retrolentale Fibrose