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Magengeschwür

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Magengeschwür

Ulcus ventriculi, Magenulkus, peptisches Ulkus sind weitere Bezeichnungen für das Magengeschwür. Beim Magengeschwür handelt es sich um einen Schleimhautdefekt (Ulcus) im Magen. Die Erkrankung wird zur gastroduodenalen Ulkuskrankheit gezählt. Die Hauptursache hierfür ist das Vorhandensein von zu viel Säure innerhalb des Magens. Die Magensäuren greifen die Magenschleimhaut an, es kommt zu einer Gastritis. Die Magenschleimhaut verliert hierauf ihre Schutzfunktion und die Säuren können dadurch das weiter darunterliegende Gewebe schädigen. In schweren Fällen dringt das Ulcus bis zur Muskelschicht vor. Die daraus entstehenden Geschwüre sind rund mit einem flachen Rand. Chronische Geschwüre haben verdickte Ränder (Narbengewebe). Es besteht auch die große Gefahr, dass das Ulcus die Magenwand durchbricht und Nahrungsbrei und Magensekret in die freie Bauchhöhle abfließen können. Die Folge davon ist eine Bauchfellentzündung mit schwerwiegenden Beschwerden.


Leitmerkmale: Schmerz im Epigastrium nach dem Essen
Definition Beim Magengeschwür handelt es sich um eine tiefe Wunde in der Schleimhaut des Magens

Weitere Bezeichnungen
(Synonyme)
  • Ulcus ventriculi
  • Magenulkus
  • Peptisches Ulkus
Einteilung nach Johnson
  • Typ I: Ulcus an der kleinen Magenkurvatur
  • Typ II: kombiniertes Magen-Dünndarmulcus
  • Typ III: Ulcus vor dem Magenpförtner
Ursachen
  • Missverhältnis zwischen den die Schleimhaut angreifenden und schützenden Faktoren (verstärkte Säurebildung)
Risikofaktoren
  • Infektion: Helicobacter pylori
  • Medikamente: NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika), ASS, Zytostatika, Salizylate, Kortikoide
  • Magen/Darm: vermehrte Säurebildung (Gastritis), Durchblutungsstörungen der Darmwand, gestörte Magenentleerung
  • Trauma: Stressulkus bei Polytrauma, Verbrennungen, großen Operationen
  • Erkrankungen: Hiatushernie, Durchblutungsstörungen, Gallensäurereflux, Leberzirrhose, verzögerte Magenentleerung, Zollinger-Ellison-Syndrom, Hyperparathyreoidismus, Morbus Cushing, rheumatoide Arthritis, chronische Niereninsuffizienz
  • Psyche: Stress, Depression
  • Ernährung: scharfe/heiße Speisen
  • Noxen: Rauchen, hoher Alkohol-/ Kaffeekonsum
  • Allgemein: genetische Vorbelastung
Symptome Oft symptomlos (ältere Menschen):
  • Allgemeinsymptome: Übelkeit, Erbrechen, saures Aufstoßen, Sodbrennen, Druck-/ Völlegefühl, säurelockende Speisen werden schlecht vertragen, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Blähungen
  • Ulcus: Atrium, kleine Kurvatur
  • Schmerzen:
    • epigastrisch (links der Medianlinie), drückend/brennend, ausstrahlend zu Leber/Rücken, krampfartig, schneidend
    • Sofortschmerz nach den Mahlzeiten, links der Medianlinie, nahrungsunabhängig oder 1-3 Stunden nach Nahrungsaufnahme (Essen/ Trinken), Verschlechterung besonders nach Süßspeisen (Säurebildung)
  • Blutung: 20 % als Erstsymptom, blutiges oder kaffeesatzartiges Erbrechen, Teerstuhl, Anämie
Diagnose Anamnese: Schmerzlokalisation, Risikofaktoren, Ulkusanamnese, NSAR-Einnahme, Familienanamnese
Körperliche Untersuchung: evtl. Druckschmerz im Oberbauch ohne Abwehrspannung, Anämiezeichen
Labor: Blutbild (Blutung), Entzündungsparameter, Kalzium, Parathormon, Antikörper gegenüber Helicobacter pylori, Gastriné, Stuhluntersuchung auf Blut
Apparative Diagnostik: Gastroendoskopie mit Schleimhautbiopsie (Ca?), 13C-Atemtest auf Helicobacter pylori, Röntgen (Kontrastmittel, Perforation?), Sonografie, Langzeit-pH-Metrie (Übersäuerung?)
Differentialdiagnose
  • Verdauungssystem: Refluxösophagitis, Reizmagen (Ausschlussdiagnose), Magenkarzinom, Gastritis, Morbus Crohn, Erkrankungen von Leber/Pankreas (Cholelithiasis, Pankreatitis, Pankreas-Karzinom), Reizkolon, Dyspepsie
  • herz: Angina pectoris, Myokardinfarkt
  • Atemsystem: Pneumothorax, Lungenembolie, Tbc
  • Erkrankungen: Lues, Morbus Boeck
Komplikationen Ca. 30% aller Ulkuspatienten werden erst durch Komplikationen symptomatisch, werden somit erst sehr spät bemerkt:
  • Penetration: vordringen des Ulcus in ein Nachbarorgan, meist Pankreas oder Colon (plötzlicher Schmerz strahlt in den Rücken aus), Notfall!
  • Blutungen: Kaffeesatzerbrechen (Hämatemesis), Teerstuhl (Melaena)
  • Perforation (Durchbruch): das Ulkus durchbricht die Wand des Magens oder Duodenums, führt zum akuten Abdomen (plötzlicher heftiger Schmerz, Abwehrspannung, Schock) Notfall: Notarzt, PATIENT BLEIBT LIEGEN!
  • Stenosierung des Pylorus: Behinderung der Nahrungspassage (anhaltendes Erbrechen, Schmerzzunahme beim Essen, Refluxösophagitis, Herzrhythmusstörungen, Kachexie)
  • Präkanzerose: Entartung möglich
  • Allgemein: Anämie
Therapie
  • Allgemeinmaßnahmen: Stressabbau, Entspannungsübungen, Vermeidung von psychischen Belastungen, Oberkörper hoch beim Schlafen, feuchte Wärme, Leibwickel, Heublumenpackung, Bürstenbäder
  • Ernährungstherapie: kein Alkohol, keine Zigaretten, keine Fette, kein Kaffee, leichte Kost, kleine Portionen, gutes Kauen, Ruhe bei der Aufnahme, Vermeidung scharfer Gewürze, nach Mahlzeiten nicht hinlegen
  • Naturheilkundliche Therapie: Akupunktur, Ohrakupunktur, Bachblüten, Eigenbluttherapie, Fußreflexzonenmassage, Homöopathie, Neuraltherapie, Phytotherapie, Schüssler Salze
  • Medikamentöse Therapie: Ansetzen der ulcusauslösenden Medikamente, Antazida, H2-Blocker, Tripel-Therapie (Protonenpumpenblocker, Antibiotika) bei Besiedlung mit Helicobacter pylori, ansonsten Protonenpumpenblocker zur Säurereduktion, Antiphlogistika, Anticholinergika
  • Operative Therapie: bei Komplikationen (Blutungen, Perforation, Stenosen, Karzinomverdacht): Ulcusentfernung