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Mesenterialinfarkt

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Mesenterialinfarkt

Beim Mesenterialinfarkt handelt es sich um einen akuten Verschluss eines Gefäßes der Darmwand. Man unterscheidet hierbei zwischen einen arteriellen und einem venösen Verschluss. Kommt es zu einer Unterbindung eines arteriellen Gefäßes, so führt dies zu einer Minderdurchblutung der Darmwand (Ischämie). Kommt es zu einem Verschluss des venösen Gefäßes, so wird der Darm zwar gut durchblutet, das Blut bleibt aber im betroffenen Darmabschnitt (hämorrhagischer Infarkt). Es kommt dadurch rasch zu einer Darmlähmung mit anschließender Entzündung des Bauchfells. Es besteht dadurch Lebensgefahr.


Leitmerkmale: plötzlich hefigste Bauchschmerzen
Definition Als Mesenterialinfarkt bezeichnet man einen Darmnekrose infolge einer Nichtversorgung des betroffenen Darmabschnittes

Vorkommen
(vor allem bei)
  • Männer (über 60 Jahre): mit Herz-/Kreislaufbeschwerden
Einteilung
  • Mesenterialarterienverschluss (anämischer Mesenterialinfarkt):
    • Ursachen: Embolisierung der Arteria mesenterica superior meist durch ein Gerinnsel aus dem Herzen (Vorhofflimmern)
    • Verlauf: mindere Durchblutung der betroffenen Darmwand
  • Mesenterialvenenthrombose (hämorrhagischer Mesenterialinfarkt):
    • Ursachen: Abflussstörung des Blutes aus der Darmwand durch Thrombosierung einer Vena mesenterica superíor des Darms
    • Verlauf: das Blut bleibt in der Darmwand, neues kann nicht mehr zugeführt werden
Symptome
  • Initialstadium (1-6 Std.): plötzlich eintretende messerstichartige (krampfartige) Abdominalschmerzen (stärksten Analgetika wirken nicht), über Stunden zunehmend, Übelkeit, Erbrechen, blutiger Durchfall
  • Latenzstadium (6-12 Std.): Beschwerdebesserung, aber Verschlechterung des Allgemeinzustandes
  • Endstadium (12-48 Std.): danach akute Verschlechterung; akutes Abdomen, paralytischer Ileus, Peritonitis, Erbrechen, blutige Durchfälle, Dehydrierung, Fieber, Sepsis, Multiorganversagen
Diagnose Anamnese: Klinik, Malabsorption, Darmgeräusche, Herzerkrankungen
Labor: Leukozytose, Thrombozyten, LDH erhöht, Kreatinin erhöht, Phosphat erhöht, Laktat erhöht, metabolische Azidose, Entzündungsparameter erhöht
Apparative Diagnostik: Röntgen (gasleerer Darm), Sonografie (verdickte Darmschlingen, freie Flüssigkeit im Bauch), CT-Angiografie, EKG
Komplikationen
  • Absterben des betroffenen Darmabschnittes
Differentialdiagnose
  • Mesenterialvenenthrombose
  • Aortenaneurysma
  • Schock
  • Hinterwandinfarkt
  • Divertikulitis
  • lokale Ischämien: Strangulation, Vaskulitis
  • Appendizitis
  • Pankreatitis
  • Peritonitis
  • Gallensteine
  • Magen-/Darmperforationen
Therapie NOTFALL:
  • Allgemeinmaßnahmen: intensivmedizinische Überwachung
  • Ernährungstherapie: Wasser-/Elektrolytzufuhr
  • Medikamentöse Therapie: Analgetika, Heparin, evtl. Antibiotikum
  • Operative Therapie: Embolektomie, Lysetherapie, Resektion der befallenen (abgestorbenen) Darmteile (in den ersten 6-12 Stunden)
Mesenterialverschluss Arteriell Venös
Uhrsprung linkes Herz Untere Extremität
Beginn Akut Schleichend
Schmerzen heftiger starker Dauerschmerz Langsam an Intensität zunehmend
Durchfall Teerstuhl, Bluterbrechen Frühe blutige Durchfälle (Teerstuhl)
Blutdruck Blutdruckabfall bis Schock Normaler Blutdruck
Therapie Sofortige Operation Lyse, evtl. Operation
Notfall

Notfallmaßnahmen beim Mesenterialinfarkt:

  • - Anruf: Notarzt
  • - Allgemeinmaßnahmen: Patienten beruhigen, Patient zudecken
  • - Lagerung: Schocklagerung, bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage
  • - Vitalzeichenkontrolle: engmaschig
  • - Reanimation: Wiederbelebung
  • - Zusatzmaßnahmen: Sauerstoffgabe, i.v.- Zugang