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Parkinsonismus

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Parkinsonismus

Beim Parkinsonismus handelt es sich um eine Erkrankung mit parkinsonähnlichen Beschwerden, deren Ursache aber nicht ein Morbus Parkinson ist.


Leitmerkmale: Bewegungsstörungen
Definition Als Parkinsonismus bezeichnet man Parkinsonbeschwerden, die nicht durch einen Morbus Parkinson ausgelöst werden

Einteilungen/Ursachen
  • atypisches Parkinson-Syndrom:
    • Ursachen: neurodegenerative Erkrankungen, die die Basalganglien beeinflussen (kortikobasale Degeneration/ Multisystematrophie/ progressive supranukleäre Blickparese)
  • symptomatisches Parkinsonsyndrom:
    • Ursachen: Medikamente, die Dopamin blockieren oder reduzieren (Neuroleptika/ Antiemetika/ Antipsychotika), Vergiftungen (Kohlenmonoxid/ Methanol/ Mangan), Entzündungen (Enzephalitis), Schädel-Hirn-Trauma, Apoplex, Morbus Wilson, Gehirntumore
Symptome
  • Bewegungsstörungen: unterschieden werden Plussymptome mit erhöhter Aktivität (Tremor) von den Minussymptomen mit erniedrigter Aktivität (Hypokinese, Rigor); Beginn fast immer schleichend, einseitig (häufig nur als Schweregefühl, Steifigkeit), oft mit Gelenkschmerzen und depressiven Tendenzen, Restless-Legs-Syndrom
  • Hypokinese/Akinesie (fehlende oder verlangsamte Motorik und fehlende Mitbewegung):
  • Arme schwingen nicht mit beim Gehen; Starten und Beenden einer Bewegung fällt schwer; in schweren Fällen kann Bewegung nicht mehr gestoppt werden, reduzierte Finger-/Fußgeschicklichkeit
  • kleinschrittiger Gang, vermehrte Wendeschritte, Haltung gebückt nach vorne, Gang schlurfend, Gangunsicherheit, bleibt auf halben Weg stehen
  • Maskengesicht (Talgproduktion stark erhöht: glänzende Gesichtshaut), seltenerer Lidschlag, leise monotone Stimme, undeutliches Sprechen, Speichelfluss erhöht, Schlucken verzögert
  • Mikrographie: Schrift wird kleiner während des Schreibens, unleserlich
  • Rigor: Muskelsteifheit, erhöhter Muskeltonus (bei passiver Bewegung spürbar), Muskelschmerzen, leichte Beugung von Ellbogengelenk/Rumpf/Nacken; Zahnradphänomen: Extremitäten reagieren bei passiver Bewegung mit ruckartigen Sperrungen, beim Entfernen des Kopfkissens bleibt der Kopf in der Luft
  • Tremor: grobschlägig,v.a.in Ruhe (Ruhetremor), Haltetremor, bei zielgerichteten Bewegungen vermindert: „Münzenzählertremor“, „Pillendrehen“; im Schlaf nicht vorhanden
  • vegetative Symptome: Minderung des Geruchssinns, vermehrter Speichelfluss, Schluckstörungen, gestörte Schweißsekretion, Hitzewallungen, Obstipation, Harnverhalt, Hypotonie, Sexualstörungen, Schlafstörungen, Blasenfunktionsstörungen, Störungen der Blutdruck-/ Temperaturregulation
  • psychische Störungen: depressive Stimmung, verlangsamte Denk-/ Wahrnehmungsvorgänge, allgemeine Müdigkeit, reizbar, misstrauisch, starrköpfig, Stimmungslabilität (Affekte können nicht mehr zurückgehalten werden), teils auch in sich gekehrt, Halluzinationen, Apathie, in 25% kommt es zu einer Demenz, Verfolgungswahn
Diagnose Anamnese: Beginn, Verlauf, Familienanamnese, psychische Veränderung, Infektion, Medikamente, Trauma, Beruf (Mangan, CO)
Körperliche Untersuchung: neurologischer Status, Ganzkörperuntersuchung, yramidenzeichen
Tests: L-Dopa-Test, Apomorphin-Test, Schellong-Test, Kipptischuntersuchung, Pull-Test, Pendel-Test, Wartenberg-Test
Apparative Diagnostik: CT, MRT, EEG, Tomographie, Polysomnografie
Therapie
  • Allgemeinmaßnahmen: Behandlung der Symptome, regelmäßige Krankengymnastik, Gangschulung, Logopädie, Ergotherapie, psychosoziale Betreuung, warme Bäder, wechselwarme Waschungen
  • Ernährungstherapie: eiweißarme Kost
  • Naturheilkundliche Therapie: Aderlass, Akupunktur, Bachblüten, Baunscheidtieren, Homöopathie, Schröpfen
  • Medikamentöse Therapie: L-Dopa, Dopaminagonisten, Anticholinergika, Dopaminantagonisten, MAO-Hemmer, Antiemetika, Antidepressiva, COMT-Hemmer