Anästhesie
Schwangerschaftsnarkose

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Narkosen bei Schwangerschaft

Physiologische Grundlagen bei Schwangerschaft

 

Respiratorische
Veränderungen

  • die Schleimhäute sind vermehrt durchblutet (Cave! Blutung beim Intubieren)
  • das Atemzugvolumen, Atemminutenvolumen und die alveoläre Ventilation nehmen zu
  • das PaCO2 fällt ab, der PaO2 steigt (106- 108 mmHg)
  • das Zwerchfell steht um 4 cm weiter nach oben (in der Flachlagerung kommt es zur Hypoxämie )
  • durch Abnahme der funktionalen Residualkapazität kommt es zu einem raschen An- und Abfluten der Inhalationsnarkotika

Zu beachten :

  • die Einleitung von Inhalationsnarkotika erfolgt schneller
  • die Ausleitung derselben geht ebenfalls schneller
  • Schwangere sind besonders gefährdet durch Hypoxie, Hyperkapnie und respiratorische Azidose
  • während der Narkose darf die Mutter nicht hyperventiliert werden, da bei einer mütterlichen  Alkalose weniger O2 über die Plazenta abgegeben wird

Herz-/Kreislauf-Veränderungen

  • das Herzminutenvolumen nimmt zu
  • der arterielle Blutdruck fällt leicht ab
  • die Herzfrequenz nimmt um 10 -15 Schläge /Min zu
  • Vasopressoren können die Uterusdurchblutung vermindern (Gefahr  für den Feten). Bei Blutdruckabfall müssen also zuerst andere Maßnahmen ergriffen werden
  • das totale Blutvolumen nimmt im Verlauf der Schwangerschaft zu. Es tritt dazu eine Blut-verdünnung auf, da das Plasma stärker zunimmt als die festen Bestandteile des Blutes (Hb 12 g /100 ml, HK 35 %)
  • die Gerinnbarkeit des Blutes ist gesteigert. Die Anfälligkeit für thrombo-embolische Komplikationen nimmt zu
  • das HZV nimmt in der flachen Rückenlage ab, nicht jedoch in leichter Linksseitenlage („Cava- Kompressionssyndrom“ durch das Kind)

Veränderungen am
Verdauungstrakt

  • der  Magen  und die Därme werden in Richtung Kopf geschoben
  • der Magen verlagert sich von Vertikal ins Horizontale         
  • der Druck im Magen steigt, der Tonus am Übergang zwischen Magen und Speiseröhre nimmt ab
  • der gesamte Magentonus und die Magenbeweglichkeit sind vermindert. Der Speisebrei kann bis zu 24 Stunden im Magen festgehalten werden. Es kommt leicht zu Übelkeit und Erbrechen.

Merke: JEDE SCHWANGERE, Entbindende IST NICHT NÜCHTERN !

Psychische
Veränderungen

  • v.a. Ängste vor dem Unbekannten
  • Todesängste um sich selbst und das Kind
  • Furcht vor Komplikationen während der Geburt
  • Befürchtungen um ein behindertes Kind

Auswirkungen der Anästhesie auf  die Uterusdurchblutung

 

Medikamente

  • Inhalationsanästhetika: die glatte Uterusmuskulatur erschlafft, die Wehentätigkeit wird vermindert, passieren die Plazenta
  • Injektionsanästhetika: Babiturate beeinflussen den Uterus nur gering, Ketanest ® steigert den Uterustonus  ( => nicht in der Geburtshilfe verwenden),  Analgetika und Sedative verlangsamen die Eröffnung des Muttermundes
  • Muskelrelaxantien: keinerlei Wirkung auf den Uterusmuskel
  • Lokalanästhetikum: unmittelbar nach der Injektion nimmt die Wehenfrequenz und -stärke ab
  • Vasopressoren: Adrenalin führt zu einer Vasokonstriktion der Uterusgefäße

 

Auswirkungen der Anästhesie auf den Feten

 

Medikamente

Fast alle in der Anästhesie verwendeten Pharmaka passieren rasch die Plazenta. Sie werden aber durch den fetalen Kreislaufes verzögert in das kindliche Gehirn aufgenommen.

  • Barbiturate: passieren leicht die Plazenta. Die Höchstdosis von TRAPANAL®  ist  250 - 300 mg
  • Opiate: passieren ebenfalls leicht die Plazenta. Bei geburtshilflichen Operationen dürfen sie nicht vor der Abnabelung des Kindes gegeben werden, da sonst das Kind an Atemdepression leidet
  • Benzodiazepine: Valium ® passiert  rasch die Plazenta  und verlängert den kindlichen Herzschlag
  • Lokalanästhetika: passieren leicht die Plazenta. CARBOSTESIN®  ist am sichersten. Auf  SCANDICAIN®  reagiert das fetale Herz sehr empfindlich
  • Muskelrelaxantien: Succinylcholin ® relaxiert die Neugeborenen nicht. Hohe Dosen sollten vermieden werden
  • Atropin: auf die Gabe von Atropin ® sollte bei der Succinylcholin- Gabe nicht verzichtet werden
 

Komplikationen bei der Anästhesie:

Aortakavales
Kompressionssyndrom

10 % der Schwangeren in Rückenlage )

  • Zeichen: Übelkeit, Schwäche, Schwitzen, Blässe, Luftnot, niedriger Blutdruck, Bradykardie
  • Therapie: Linksseitenlage

Aspiration

  • besonders groß während:
    • Exzitationsphase der Narkose
    • Muskelzuckungen nach Succinylgabe
    • wenn die Assistenten auf den Bauch der Schwangeren drücken
  • Zeichen:
    • Bronchospamus
    • Rasselgeräusche und Zyanose
    • pulmonale Gefäßkonstriktion, führt zu Hypoxämie
    • 50 % der Patienten sterben daran
  • Vorbeugung:
    • keine Maskennarkose
    • Einleitung in Oberkörperhochlagerung
    • Krikoid- Druck bei der Narkoseeinleitung
    • Blitzintubation
  • Therapie:
    • Patient sofort intubieren
    • aspiriertes Material absaugen
    • 100 % O2 und PEEP
    • Bronchiallavage
    • Bronchodilatatoren

Blutdruckabfall

  • muß unbedingt vermieden werden, da dadurch der Fete gefährdet ist
  • Therapie:
    • Infusionsgeschwindigkeit steigern
    • Beine hochlagern