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Selbstverletzendes Verhalten

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Selbstverletzendes Verhalten

Autoaggressives Verhalten, Artefakthandlung, Selbstverletzung sind weitere Bezeichnungen für das selbstverletzende Verhalten. Beim selbstverletzenden Verhalten handelt es sich um eine freiwillige Zerstörung oder Veränderung des eigenen Körpergewebes ohne Suizidabsicht. Meistens entstehen daraus kleine Schädigungen (Schnitt-, Ritzwunden). Mit der Zeit gewöhnt sich der betroffene daran und füg sich zur Selbstbefriedigung immer stärkere Verletzungen zu. Es entwickelt sich daraus eine Sucht.  Es kommt hierbei kurzzeitig zu Erleichterungen von übergroßen emotionalen Zuständen (Spannungsabbau). Meist kommt auch zur Kombination von verschiedenen verletzenden Tätigkeiten.


Leitmerkmale: Hautnarben, Hautverletzungen immer wieder auftretend
Definition Als selbstverletzendes Verhalten bezeichnet man Handlungen zur bewussten Schädigung des eigenen Körpers

Weitere Bezeichnungen
(Synonyme)
  • Autoaggressives Verhalten
  • Artefakthandlung
  • Selbstverletzung
Vorkommen
(vor allem bei)
  • Jugendalter: zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr
Ursachen
  • Störung des Körperschemas: der eigene Körper wird als nicht zu sich selbst gehörig betrachtet
  • Emotionsregulation
  • Abwertung / Wut gegen sich selbst (Wertlosigkeit)
  • Selbstbestrafung
  • Gefühl der inneren Leere (soll durch das Verhalten überwunden werden)
Risikofaktoren
  • Angststörung
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung
  • Autismus
  • Borderline-Persönlichkeit
  • Depression
  • Drogenkonsum: Drogen, Alkohol
  • Essstörungen: Bulimie, Anorexia nervosa
  • fetales Alkoholsyndrom
  • Lesch-Nyhan-Syndrom
  • Missbrauchserfahrungen
  • posttraumatische Belastungsstörung
  • schizophrener Schub
  • starke Belastungen: Prüfungen, Arbeitsplatz, Familie
  • Traumatisierungen
  • Tourette-Syndrom
  • Zwangsstörungen
  • Allgemein: Liebeskummer, Aggression gegenüber Eltern
Symptome
  • Aufschneiden/ Aufkratzen/ Aufritzen (Ritzen) der Haut (v.a. an den Armen/ Beine/ Bauch/ Gesicht/ Brust)mit spitzen und scharfen Gegenstände (Rasierklingen/ Messern/ Scheren/ Scherben, danach Narbenbildung
  • Ausreißen von Haaren
  • Wiederholtes Kopfschlagen: an Gegenstände, mit den Händen gegen den Kopf/ ins Gesicht
  • Verdecken der Verletzungen
  • übermäßiges Essen
  • Faustschläge gegen harte Gegenstände: bis Hämatome/ Blutungen auftreten
  • Schlagen des Körpers mit Gegenständen
  • in-die-Augen-Bohren
  • Stechen mit Nadeln
  • gefährliche sexuelle Kontakte
  • Beißen in erreichbare Körperpartien
  • Verbrennungen/Verbrühungen: Zigarettenausdrücken auf dem eigenen Körper
  • Einnahme schädlicher Substanzen: Reinigungsmittel
  • Intravenöse/subkutane/ intramuskuläre Injektion schädlicher Substanzen
  • Verätzung des Körpers durch Chemikalien
  • schmerzende Nagelverletzungen/ Ausreißen der Nägel
  • das Abschnüren von Körperteilen
Diagnose Anamnese: Klinik, Fremdanamnese
Körperliche Untersuchung: Haut (Inspektion)
Differentialdiagnose
  • Münchhausen-Syndrom
  • Selbstverstümmelung
  • Selbsttötungsabsicht (Suizid)
  • Psychose
Therapie
  • Allgemeinmaßnahmen: Behandlung der Grunderkrankung, Mitbehandlung des sozialen Umfelds, Psychotherapie (Tiefenpsychologie/ Verhaltenstherapie), regelmäßige Bewegung, Vermeidung von Drogen/ Alkohol, regelmäßiger Kontakt (Familie/ Freunde), regelmäßiger Schlaf
  • Naturheilkundlich Therapie: Akupunktur, Phytotherapie, Entspannungsübungen
  • Ernährungstherapie: ausgewogen (viel Gemüse/ Obst)