Krankheiten
Appendizitis

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Appendizitis

Akute Entzündung der Appendix vermiformis (Wurmfortsatz), betroffen sind v.a. Kinder/Jugendliche.

Leitmerkmale: starke Schmerzen/lokale Abwehrspannung im rechten Unterbauch, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen
Pathogenese Nach dem Verschluss des Appendixlumens (Kotsteinen) kommt es distal davon zur Anhäufung von Sekret (von der Schleimhaut produziert). Es entsteht zu einer Dilatation und anschließender Gewebeschwäche (Sauerstoffunterversorgung) der Appendixwand, die zur Folge hat, dass diese durchlässig gegenüber Keimen aus dem Darm wird und so eine Entzündung entsteht.

Ursachen
  • lokale Darmkeime: E. coli, Enterokokken
  • Verlegung des Wurmfortsatzes: Würmer, Kotsteine, Obstkerne,  Abknickung, Strangulation
  • Tumoren, Durchblutungsstörungen
Symptome
  • Akute Appendizitis (Symptome aus „heiterem Himmel“):
    • Allgemeinsymptome: Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Zunge belegt, trocken, Tachykardie
    • Schmerzen: heftige Schmerzen im Mittelbauch, später im rechten Unterbauch, Verstärkung beim Gehen, Minderung beim Beugen des rechten Beines, erst kolikartig, später kontinuierlich
    • enteral: lokale Abwehrspannung im rechten Unterbauch, Obstipation oder Durchfall
    • Fieber: leicht, nicht über 39 °C, Temperaturdifferenz rektal/axillar über 0,8 0C
  • Chronische Appendizitis: uncharakteristische, wiederkehrende Beschwerden im rechten Unterbauch (bei älteren Patient oft keine Symptome vorhanden)
Diagnose Anamnese: Schmerzlokalisation, Schwangerschaft, letzte Menstruation, Stuhlgang, Vorerkrankungen, Begleitsymptome (Fieber), Temperaturmessung
Körperliche Untersuchung:
  • Inspektion: Abwehrhaltung wegen starker Schmerzhaftigkeit
  • Auskultation: Darmgeräusche
  • Perkussion: schmerzhaft (Vorsicht!)
  • Palpation: (Vorsicht!) Abwehrspannung, Druckdolenz (akute Appendizitis punktuell (re. vorderer oberer Darmbeinstachel) zum Nabel; rechter Unterbauch, rektale/vaginale Untersuchung (Druckschmerz  der Ampulle)
    • Mc-Burney-Punkt: in der Mitte der Verbindungslinie Spina illiaca anterior superior (re. vorderer oberer Darmbeinstachel) zum Nabel; rechter Unterbauch
    • Lanz-Punkt: 1. Drittel rechts der Verbindungslinie beider vorderen Darmbeinstacheln (Querlinie(; rechter Unterbauch oberhalb Mc-Burney-Punkt
    • Kümmelpunkt: ca. 2 cm vom Nabel entfernter Druckschmerzpunkt
    • Blumberg-Zeichen (Loslass-Schmerz): Schmerz beim Eindrücken eines beliebigen Punktes im linken Unterbauch und schnellem Loslassen
    • Rovsing-Zeichen: Ausstrich des Dickdarms in Richtung Dünndarm  (gegen der Fortbewegung des Darminhaltes) ist schmerzhaft
    • Psoaszeichen: Schmerz im re. Unterbauch durch Anheben des re. Beines gegen einen Widerstand
    • Douglas-Schmerz: bei rektaler Palpation Schmerzen im re. Unterbauch
Labor: Blutbild, Leukozytose (11000- 15000), CRP↑, BKS ↑, Elektrolyte, Blutzucker, Urinstatus
Apparative Diagnostik: Sonographie (verdickter Blinddarm), Röntgen (Abdomen), gynäkologische Untersuchungen

Differentialdiagose
  • enteral: Divertikulitis, Gastroenteritis, Duodenal-Ulcus, Cholezystitis, Gallensteine, M. Crohn, Reizdarm, Darmperforation, Meckel-Divertikulitis, Divertikulitis, Ileus, Tumoren, Pankreatitis, Erkrankungen mit akutem Abdomen, Mesenterialinfarkt, Aortenaneurysmaruptur
  • gynäkologisch: Adnexitis, Follikelsprung, extrauterine Gravidität, Endometriose, Ruptur einer Ovarialzyste/Graaf-Follikel
  • renal: Zystitis, Pyelonephritis, Ureterstein, Harnwegsinfekt
  • Interkostalneuralgie
Komplikationen Bei Perforation: Peritonitis (NOTFALL), Abszessbildung, Sepsis, akutes Abdomen, Gangrän, diffuse Peritonitis, Frühileus in den ersten Tagen, Spätileus durch Verwachsungen nach Jahren, Fisteln, Schock

Therapie
  • Allgemeinmaßnahmen: Nahrungskarenz, Bettruhe
  • Operative Therapie: Appendektomie (laparoskopische)
Prognose Bei Komplikationen bis zu 5% Letalität (Perforation in die Bauchhöhle).

 

Notfall
Akute Appendizitis:

  • Anruf: Notarzt, aber sofortige Krankenhauseinweisung
  • Allgemeinmaßnahmen: Patienten beruhigen, Patient zudecken
  • Lagerung: wie sie Patient toleriert (sitzend, liegend evtl. mit angezogenen Beinen)
  • Vitalzeichenkontrolle: engmaschig

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