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Diabetes insipidus

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Diabetes insipidus

„Wasserharnruhr“: Störung des Wasserstoffwechsels mit vermehrter Wasserausscheidung (Polyurie) aufgrund gestörter Bildung oder Sekretion von ADH (antidiuretisches Hormon aus HHL). In der Folge  verminderte Fähigkeit der Nieren, den Harn zu konzentrieren; „insipidus“ = „nicht süß“: der Harn enthält nicht vermehrt Glucose wie bei Diabetes mellitus.

Leitmerkmale: Polyurie, Polydipsie (starker Durst)
Einteilung
  • zentraler Diabetes insipidus (ADH-Mangel, der Körper produziert zu wenig ADH): idiopathisch, Tumoren (bronchial, Mamma), Metastasen, Traumata (Schädelbasis), Operationen am Gehirn, Entzündungen (Meningitis, Enzephalitis), Sarkoidose, Tbc, Aneurysma, Thrombose
  • renaler Diabetes insipidus (normaler ADH-Spiegel; fehlende Ansprechbarkeit des distalen Tubulus auf ADH):  sehr selten, vererbt, nach interstitieller Nephritis, Niereninsuffizienz, Medikamente (Barbiturate, Clonidin, Noradrenalin, Lithium), Elektrolytstörungen (Hyperkalziämie, Hypokaliämie)
Pathogenese Durch einen ADH-Mangel (HHL)/ fehlende Ansprechbarkeit der ADH-Rezeptoren kann die Niere den Harn nicht mehr konzentrieren (distale Nierentubuli/ Sammelrohre) und scheidet somit große Mengen an farblosen Urin aus (bis 20-40 l/Tag).

Ursachen
  • idiopathische Ursachen 1/3
  • symptomatische Ursachen: Schädel-Hirn-Traumata, Tumoren (Hypothalamus), Metastasen, Entzündungen (Meningitis, Enzephalitis), neurochirurgische Operationen, Tbc , Bestrahlungen (Hypothalamus, Hypophyse)
  • Vererbung (selten)
  • renale Ursachen (selten): erworbenes/vererbtes Fehlen der Ansprechbarkeit der Nierentubuli auf ADH
  • Schwangerschaft: vermehrter Abbau von ADH
Symptome
  • Allgemeinsymptome: Haut/Schleimhäute/Zunge trocken, Speichel-/ Schweißsekretion vermindert, Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, Adipositas
  • Polyurie: plötzlich einsetzende, z.B. innerhalb von 1-2 Tagen 5-20 l/Tag
  • Polydipsie: zwanghafter Durst mit häufigem Trinken, Trinken auch nachts
  • Asthenurie (keine Harnkonzentration)
  • Nykturie
Diagnose Labor: ADH↓, Serumosmolalität↑, Natrium↑, Urin: farblos, zucker-/eiweißfrei, spezifisches Gewicht↓ (< 2005g/l)
Apparative Diagnostik: CT, MRT (Tumoren)

Differentialdiagnose
  • allgemein: Diabetes mellitus, Psyche
  • renal: Diuretikamissbrauch, chronische Niereninsuffizienz
  • Elektrolyte: Hyperkalziämie, Hypokaliämie
Komplikationen Exsikkose, Dehydratation (Bluteindickung), Temperaturanstieg, Koma

Therapie
  • Allgemeinmaßnahmen: Grunderkrankung beheben, Bilanzierung (Ein-/ Ausfuhr)
  • Medikamentöse Therapie: ADH-Substitution, Desmopressin, Antiphlogistika
  • Operative Therapie: Tumorentfernung, Bestrahlung
Prognose Bei richtiger Einstellung Beschwerdefreiheit, sonst hängt die Prognose von der Grunderkrankung ab.

Gg