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Eisenmangelanämie

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Eisenmangelanämie

Hypochrome, mikrozytäre Anämie (d.h. zu kleine Erythrozyten mit zu wenig Hämoglobin) durch 2-/ 3- wertigem Eisenmangel (80% der Anämien), Serumeisen erniedrigt.

Leitmerkmale: Blässe von Haut/Schleimhäuten, Mundwinkelrhagaden,  Zungenbrennen, Müdigkeit
Stadien
  1. Frühstadium: Mangel an Speichereisen
  2. Übergangsstadium: eisendefizitäre Erythroporese
  3. Endstadium: Eisenmangelanämie
Pathogenese Durch unzureichende Eisenzufuhr oder vermehrten Verlust kommt es zur Leerung der Eisenspeicher). Da Eisen für das Häm-Molekül notwendig ist, wird durch einen chronischen Eisenmangel zu wenig Hämoglobin aufgebaut (verminderte Produktion von Erythrozyten => Anämie), wodurch der Hb-Gehalt in den Erythrozyten  und auch deren Anzahl sinkt.

Ursachen
  • chronischer Blutverlust: Blutungen aus Magen-Darm-Trakt (50% der Fälle; z.B. Ösophagusvarizen, Gastritis, Ulkus, Colitis ulzerosa, Hämorrhoiden, Karzinom), Harnwege, starke Menstruationsblutungen und sonstige genitale Blutungen bei Frauen (ca. 10%), Hämolyse, Tumoren, traumatische/operative Blutverluste, Nierensteine, Tumoren der Harnwege
  • erhöhter Bedarf: Schwangere, Stillende, in der Menstruation, Kinder (Wachstum), Sportler, bei chronischen Infekten/Entzündungen und Tumorerkrankungen
  • verminderte Eisenaufnahme (Resorption): Zustand nach Magen- (teil-) entfernung (Billroth-OP), Mangel an Salzsäure, Darmerkrankungen (u.a. Sprue), Kortisonbehandlung, Resorptionsstörungen
  • mangelnde Zufuhr: einseitige Ernährung (Vegetarier, Vitamin C-/ kalziumarme Ernährung), Säuglinge, Kleinkinder
  • Eisenverwertungsstörung: chronische Infekte, Entzündungen, Tumoren
  • gestörter Transport: Mangel an Transferrin
Symptome
  • Allgemeinsymptome einer Anämie: rasche Ermüdbarkeit, Kopfschmerzen, Heißhunger, Atemnot, orthostatische Beschwerden  (Schwindel), systolisches Herzgeräusch, Konzentrationsschwäche, Leistungsknick, Schlaflosigkeit, leichte Erregbarkeit 
  • neurologisch/psychisch: evtl. Übererregbarkeit, „restless legs“
  • dermal: Blässe (v.a. Schleimhautblässe), häufig Mundwinkelrhagaden, trockene, rissige Haut; Hautjucken
  • selten erst bei starkem Eisenmangel: spröde, brüchige Nägel (Rillenbildung), Haarausfall (spröde)
  • Zunge/Schleimhaut (Plummer-Vinson-Syndrom): Zungenbrennen, Atrophie der Mund-/Schlund-/Ösophagusschleimhaut (Schluckbeschwerden) mit schmerzhafter Dysphagie, Lackzunge
Diagnose Anamnese: Menstruationsblutung, Bluterbrechen, Teerstuhl, Blutauflagerungen (Stuhl), Makrohämaturie, weitere Blutungsquellen, Medikamente
Inspektion: Blässe, Haut (trocken, spröde), Fingernägel (brüchig), Mundwinkelrhagaden, Lackzunge
Körperliche Untersuchung: Magen-Darm-Trakt, rektale Untersuchung, Urogenitalbereich, Nasen-Rachen-Raum, gynäkologisches/urologisches  Konzil
Auskultation: systolische Herzgeräusche, Tachykardie
Labor: BSG ↑, Blutbild: Erythrozyten (mikrozytär, hypochrom) ↓, Hämoglobin↓, Hämatokrit↓, Serum-Ferritin ↓, MCH↓, Reticulozytenzahl↓, Eisen↓, Ferritin↓, Urinstatus, Hämoccult
Apparative Diagnostik: Gastros-/Koloskopie, rektale Untersuchung, Fokus-Suche

Differentialdiagnose Hypochrome Anämien anderer Ursache (Entzündungs-/Tumoranämie)

Komplikationen Schock, Kreislaufstillstand, Sauerstoffmangel

Therapie Therapie nach Ursache
  • Allgemeinmaßnahmen: Behandlung der Grunderkrankung, normalisieren der Magensäureproduktion
  • Ernährungstherapie: genügend Vitamin C (Vitamin C-Mangel vermindert Eisenresorption) B12,, Folsäure,, tierisches Eiweiß (Eier, Leber, Fleisch) wird besser resorbiert als pflanzliches (Kartoffeln, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte, Schwarzwurzeln, Spinat, Rote Beete, Zucchini), Gewürze (Brunnenkresse, Petersilie), alle schwarzen Beeren (Johannisbeeren, Holunderbeeren, Heidelbeeren); meiden von schwarzen Tee, Kaffee, Kakao, Rotwein
  • Naturheilkundliche Therapie: Homöopathie, Phytotherapie, Schüssler Salze
  • Medikamentöse Therapie: zweiwertiges Eisen oral (zwischen den Mahlzeiten, nicht mit Milch: Kalzium verhindert die Eisenresorption), dreiwertiges i. v. nur bei Malabsorption (Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Übelkeit, Hitzegefühl bis anaphylaktischer Schock), Gabe über mindestens 3 Monate
Sonderform:
Entzündungs-/
Tumoranämie
Bei jeder Entzündung/Tumorbildung, die länger als 1 Monat anhält kann die Bildung der Erythrozyten gehemmt werden und das Eisen nicht mehr richtig verwertet werden. Normo- bis mikrozytär, normo- bis hypochrom

  • Ursachen: Endokarditis lenta, Osteomyelitis, Lungenabszess, Pyelonephritis, Tbc, Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, M. Crohn, Tumoren
  • Symptome: Allgemeinsymptome der Anämie/entzündeten Organe/ Tumoren
  • Diagnose: Serumeisen↓, Transferrin ↓, Ferritin↑, Rückenmarkspunktion
  • Therapie: Behandlung der Grunderkrankung

 

Cave
Bei Kindern: Vergiftungsgefahr durch Eisenkapseln.

Merke
Bei einer Eisenmangelanämie auch an Blutungsursachen, Infektionen und Tumoren  denken.
Merke
Täglicher Eisenbedarf:  Männer 1 mg, Frauen 2 mg, Schwangere 3 mg.

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