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Gastroduodenale Ulkuskrankheit

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Gastroduodenale Ulkuskrankheit

Schleimhautdefekt im Magen oder Zwölffingerdarm, der die Muscularis mucosae durchbricht. Magengeschwür (Ulcus ventriculi) meist an der kleinen Kurvatur/Atrium, Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) meist am Bulbus duodeni lokalisiert. Es besteht ein Missverhältnis zwischen Schleimhaut angreifenden und schützenden Faktoren. Männer sind häufiger betroffen als Frauen (4,5:1).
Ulkus: Defekt von Haut oder Schleimhaut mit schlechter Wundheilung.

Leitmerkmale:
Ulcus ventriculi (Magengeschwür): Schmerz im Epigastrium nach dem Essen oder unabhängig davon
Ulcus duodeni (Zwölffingerdarmgeschwür): Nacht-/Nüchternschmerz im Epigastrium
Einteilung
  • Magengeschwür (Ulcus ventriculi): meist 50-60 Lj. Lokalisation im Atrium/kleine Kurvatur, meist Helicobacter-pylori-Besiedelung
  • Dünndarmgeschwür (Ulcus duodeni): meist jüngere Menschen, Lokalisation meist im Bulbusbereich, durch Hyperazidität
Prädisponierende Faktoren
  • Frühjahr/Herbst
  • Psyche
  • Missverhältnis zwischen Schleimhaut angreifenden und schützenden Faktoren: verstärkte Säurebildung
  • Helicobacter pylori
  • Körperstatus: maskulin, schlank, hager, vegetative Labilität, Bradykardie, Hypotonie
Risikofaktoren
  • Rauchen
  • Stress
  • schwere körperliche Arbeit
  • hoher Alkohol-/ Kaffeekonsum
Ursachen
  • Helicobacter pylori
  • allgemein: Rauchen, Kaffee, Alkohol, Stress, Überforderung, anhaltende Angst- und Spannungszustände (siehe Ursachen der Gastritis), verminderte Schleimsekretion
  • Medikamente: NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika), ASS, Zytostatika, Salizylate, Kortikoide
  • Trauma: Stressulkus bei Polytrauma, Verbrennungen, großen Operationen
  • Erkrankungen: Hiatushernie, Durchblutungsstörungen, Gallensäurereflux, Leberzirrhose, verzögerte Magenentleerung, Zollinger-Ellison-Syndrom, Hyperparathyreoidismus, M. Cushing, rheumatoide Arthritis, chronische Niereninsuffizienz
Symptome Oft symptomlos (ältere Menschen):

  • Allgemeinsymptome: Übelkeit, Erbrechen, saures Aufstoßen, Sodbrennen, Druck-/ Völlegefühl, säurelockende Speisen werden schlecht vertragen, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme
  • Schmerzen:
  • epigastrisch (links der Medianlinie), ausstrahlend zu Leber/Rücken, krampfartig, schneidend
  • Ulcus ventriculi: Sofortschmerz nach den Mahlzeiten, links der Medianlinie, nahrungsunabhängig oder 1-3 Stunden nach Nahrungsaufnahme, Verschlechterung besonders nach Süßspeisen (Säurebildung)
  •  Ulcus duodeni: Nüchternschmerz (gegen Mitternacht, frühe Morgenstunden), rechts neben der Medianlinie, prompte Besserung durch Nahrungsaufnahme
  • Blutung: 20 % als Erstsymptom, blutiges oder kaffeesatzartiges Erbrechen, Teerstuhl, Anämie
Psychosomatik Auslösende Situationen:
  • Trennungserlebnisse, Situationen mit Geborgenheitsverlust
  • Zuwachs von Verantwortung
  • Ansprüche von außen
  • Leistungs-/Ehrgeizhaltungen, Neid, Ärger
Menschentyp:
  • Dominante Mutter, schwacher Vater, Erziehung zum „braven Kind“
  • Wunsch nach Liebe, Nähe und Geborgenheit
  • Aktiver Typ: Streber, Ehrgeizling, will keine Hilfe annehmen, lädt sich zu viel Verantwortung auf, sehr empfindsam
  • Passiver Typ: verdrängt seine Wünsche, hilfs-/hoffnungslos
  • Andere Typen: Erkrankung nur unter massiver Belastung/unter Depressionen, chronischer Überlastungszustand (Doppelberuf usw.), Verdrängung von Abwehrmechanismen
Auswirkungen:
  • entweder passiv-depressiv oder hyperaktiv-aggressiv
  • Anspruchslosigkeit, Bescheidenheit
  • Verlangen nach Hingabe/Fürsorglichkeit
Diagnose Anamnese: Schmerzlokalisation, Risikofaktoren, Ulkusanamnese, NSAR-Einnahme, Familienanamnese
Körperliche Untersuchung: evtl. Druckschmerz im Oberbauch ohne Abwehrspannung, Anämiezeichen
Labor: Blutbild (Blutung), Entzündungsparameter, Kalzium, Parathormon, Antikörper gegenüber Helicobacter pylori, Gastrin↑, Stuhluntersuchung auf Blut
Apparative Diagnostik: Gastroendoskopie mit Schleimhautbiopsie (Ca?), 13C-Atemtest auf Helicobacter pylori, Röntgen (Kontrastmittel, Perforation?), Sonographie, Langzeit-pH-Metrie (Übersäuerung?)

Differentialdiagose
  • enteral: Refluxösophagitis, Reizmagen (Ausschlussdiagnose), Magenkarzinom, Gastritis, M. Crohn, Erkrankungen von Leber/Pankreas (Cholelithiasis, Pankreatitis, Pankreas-Karzinom), Reizkolon, Dyspepsie
  • kardial: Angina pectoris, Myokardinfarkt
  • pulmonal: Pneumothorax, Lungenembolie, Tbc
  • Lues, Morbus Boeck
Komplikationen Ca. 30% aller Ulkuspatienten werden erst durch Komplikationen symptomatisch, werden so erst spät bemerkt:

  • Penetration: vordringen des Ulcus in ein Nachbarorgan, meist Pankreas oder Colon (plötzlicher Schmerz strahlt in den Rücken aus), Notfall!
  • Blutungen: Kaffeesatzerbrechen (Hämatemesis), Teerstuhl (Melaena)
  • Perforation (Durchbruch): das Ulkus durchbricht die Wand des Magens oder Duodenums, führt zum akuten Abdomen (plötzlicher heftiger Schmerz, Abwehrspannung, Schock) Notfall: Notarzt, PATIENT BLEIBT LIEGEN!
  • Stenosierung des Pylorus: Behinderung der Nahrungspassage (anhaltendes Erbrechen, Schmerzzunahme beim Essen, Refluxösophagitis, Herzrhythmusstörungen, Kachexie)
  • Präkanzerose: Entartung möglich
Therapie
  • Allgemeinmaßnahmen: Stressabbau, Entspannungsübungen, Vermeidung von psychischen Belastungen, Oberkörper hoch beim Schlafen, feuchte Wärme, Leibwickel, Heublumenpackung, Bürstenbäder
  • Ernährungstherapie: kein Alkohol, keine Zigaretten, keine Fette, kein Kaffee, leichte Kost, kleine Portionen, gutes Kauen, Ruhe bei der Aufnahme, Vermeidung scharfer Gewürze, nach Mahlzeiten nicht hinlegen
  • Naturheilkundliche Therapie: Akupunktur, Ohrakupunktur, Bachblüten, Eigenbluttherapie, Fußreflexzonenmassage, Homöopathie, Neuraltherapie, Phytotherapie, Schüssler Salze
  • Medikamentöse Therapie: Ansetzen der ulcusauslösenden Medikamente, Antazida, H2-Blocker, Tripel-Therapie (Protonenpumpenblocker, Antibiotika) bei Besiedlung mit Helicobacter pylori, ansonsten Protonenpumpenblocker zur Säurereduktion, Antiphlogistika, Anticholinergika
  • Operative Therapie: bei Komplikationen (Blutungen, Perforation, Stenosen, Karzinomverdacht): Billroth-Magenresektion (Billroth I: Gastroduodenostomie; Billroth II: Gastrojejunostomie)
Prognose Hohe Spontanheilungsrate und auch Rezidivneigung.
10% aller Patienten mit Komplikationen versterben.

 

Notfall

Ulcusperforation:

  • Anruf: Notarzt
  • Allgemeinmaßnahmen: Patienten beruhigen, beengte Kleidung entfernen, Patient zudecken
  • Lagerung: Oberkörper hoch, Knierolle, evtl. stabile Seitenlage Vitalzeichenkontrolle: engmaschig
  • Zusatzmaßnahmen: Sauerstoffgabe, i.v.- Zugang, evtl. Schockbekämpfung
  • Cave:PATIENT DARF SICH NICHT MEHR BEWEGEN
Merke
NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika):

  • Arten: Dicolfenac, Acemetacin, Indometacin, Lonazolac
  • Nebenwirkungen bei langer Einnahme: Blutungen, Ulzerationen der Magenschleimhaut, Durchfall, Gerinnungsstörungen, renale Störungen, Asthmaanfall
Merke
Die Bildung von Divertikeln ist keine Komplikation der Ulcuskrankheit!

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