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Hypertonie

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Hypertonie

Hypertonus, Bluthochdruck; dauerhafte, nicht situationsabhängige Blutdruckerhöhung über 140/90 im arteriellen System, 25% der Bevölkerung sind betroffen, 80 % davon werden nicht behandelt.

Leitmerkmale: anhaltend erhöhter Blutdruck von 140/90 mmHg und darüber, oft ohne Beschwerden
Einteilung nach
Ursachen
  • primär/essentielle Hypertonie (90 % der Fälle): nicht durch eine andere Krankheit bedingt: genetisch, Fehlernährung (Alkohol, Fett, Kochsalzkonsum), Übergewicht, Stress, Alter: meist ab dem 40. Lebensjahr
  • sekundäre Hypertonie: renoparenchymal, renovaskulär, endokrin, kardiovaskulär, medikamentös, neurogen
Einteilung nach Ort der Entstehung
  • arterielle Hypertonie: Bluthochdruck in den Arterien der Körperkreislaufs
  • pulmonale Hypertonie: Bluthochdruck im Lungenkreislauf
  • portale Hypertension: Bluthochdruck in der Pfortader
Einteilung nach WHO
I ohne Organveränderungen
II Organbeteiligung: Linksherzhypertrophie, Retinopathie (Augenhintergrund), geringe Nierenschäden (Proteinurie, Kreatininerhöhung), Nachweis arteriosklerotischer Plaques
III hypertone Organschäden: bleibende Schäden an Herz, Gehirn, Augenhintergrund, Gefäße, Nieren (Linksherzinsuffizienz, Angina pectoris, Niereninsuffizienz, Aortenveränderungen, PAVK, Apoplex)
Einteilung nach
Verlauf
Maligne Verlaufsart (1%)

  • diastolische Werte 120-140 mmHg
  • Augenhintergrundveränderungen
  • kein Tag-Nacht-Rhythmus des Blutdruckes
  • Niereninsuffizienz
  • Medikamente sprechen nicht an
Benigne Verlaufsart

  • Schwellungen in den Gefäßen mit Fetteinlagerungen
  • Spätschäden innerer Organe
  • spricht gut auf blutdrucksenkende Medikamente an
Einteilung nach
Typen
  • Bauch-Typ (metabolische Typ): neigt zum Übergewicht, schläft gut, wird morgens nur schwer wach, gemütliche/träge Menschen, Belastungen kompensiert er durch Essen, der Hochdruck wird oft nicht bemerkt. (=> fettarme Ernährung, Bewegung)
  • Stress-Typ: sehr schlank, steht unter Anspannung, feinfühlig, nervös, ängstlich, nimmt Symptome der hohen Blutdrucks wahr, kann nicht ein- oder durchschlafen (=> regelmäßige Ruhepausen, Meditation)
  • Chaos-Typ: neigt zu Extremen, unregelmäßige Mahlzeiten, viel unterwegs, wird leicht ungeduldig, kommt schlecht zur Ruhe, hat oft Blutdruckentgleisungen (=> regelmäßige Mahlzeiten, Rhythmus in den Alltag bringen)
Arten
  • Widerstandshochdruck (Ursache erhöhter peripherer Widerstand): systolischer Wert mäßig, diastolischer über 95 mmHg erhöht: essentielle, renale, endokrine, neurogene Hypertonie
  • Minutenvolumenhochdruck (durch gesteigertes Herzminutenvolumen): hoher systolischer Wert: Schilddrüsenüberfunktion
  • Elastizitätshochdruck (durch Abnahme der Elastizität der großen Gefäße): vergrößerte Blutdruckamplitude (Systole stark erhöht, Diastole normal)
Pathogenese Durch verschiedene Ursachen kommt es zu einer Erhöhung des Herzzeitvolumensund/oder des Gefäßwiderstands, wodurch sich veränderungsbedingt auch der Blutdruck erhöht.

Drücke
  • Normotonie: kleiner 130/85 mmHg
  • Grenzwerthypertonie: 140/90 mmHg
  • Stabile Hypertonie: konstant über 160/95 mmHg
  • Maligne Hypertonie: diastolisch konstant über 120 mmHg
Ursachen
  • primäre Ursachen: unbekannt; evtl. Einflüsse von  Psyche, Genetik, Ernährung (Kochsalz↑), Konstitution, Bewegungsmangel, Stress
  • sekundäre Ursachen:
    • renal (häufig 5 %): Nierenparenchym (Glomerulonephritis, Pyelonephritis), renovaskulär (Nierenarterien sind verengt =>Nierenarterienstenose), Nierentumor (Wilms-Tumor), Zystennieren, Gichtniere
    • endokrin: Fehl-/Überproduktion von Nebennierenmarkhormone (Adrenalin, Noradrenalin), Nebennierenrindenhormone (Conn-Syndrom, Morbus Cushing), Hyperthyreose, Hyperparathyreoidismus, Diabetes mellitus, Phäochromozytom, Hypophysentumor, Schwangerschaft (EPH-Gestose), Akromegalie
    • kardiovaskulär: Arteriosklerose, Aortenklappeninsuffizienz, Aortenisthmusstenose, erhöhte Blutviskosität (Exsikkose, Polyglobulie, Polyzythämie)
    • Wirbelsäulenblockaden:  v.a. HWS
    • neurogen: erhöhter Hirndruck, Enzephalitis, Sklerose des Karotissinus, erhöhter Sympathikustonus, Hirntumoren
    • medikamentös: Pille, Glucokortikoide, Thyroxin, Sympathomimetika, Katecholamine, NSAR 
    • Drogen: Kokain, Amphetamine
    • andere Ursachen: hoher Alkoholkonsum, Fieber, Hypervolämie, Schwangerschaft (Präklampsie, Eklampsie), Schlaf-Apnoe-Syndrom, Stress
    • Risikofaktoren: hohe Kochsalzzufuhr, Adipositas, Stress, familiäre Disposition, körperliche Inaktivität, Rauchen, Alkohol, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Medikamente (Glucokortikoide), Alter, Männer, Umwelteinflüsse (Intoxikationen durch Nahrungsmittel, Amalgam, Stäube)
Symptome Lange beschwerdefrei, Symptome erst bei Schäden an Organen:

  • nerval: morgendliche Kopfschmerzen (Hinterkopfschmerz), Ohrensausen (Tinnitus), Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen, Augenflimmern
  • pulmonal: Ruhe-/Belastungsdyspnoe, nächtliche Atemnot
  • kardial: Herzklopfen, Herzschmerzen, Angina  pectoris, Nykturie
  • dermal: gerötetes Gesicht, Nasenbluten
  • psychologisch: Nervosität, Schlafstörungen
Psychosomatik Auslösende Situationen:
  • übermäßig rigides Erziehungsklima (normale Aktivitäten/ Aggressionen werden nicht ausgelebt)
  • Eltern dominant, leistungsfordernd, unterdrückend
  • Beginn durch chronische Erwartungshaltung, wachsende Anpassung, Zeitnot, Ausbleiben von erwarteter Anerkennung
Menschentyp:
  • Schuldgefühle, gespannt Höflichkeit, Bescheidenheit
  • überangepasst
  • Helferhaltung, eigene Bedürfnisse werden zurückgestellt
  • leistungswillig, pflichtbewusst, hohes Anspruchsniveau
Auswirkungen:
  • Frustrationsaggression
  • Helferhaltung
Diagnose Der Blutdruck muss mehrfach (mindestens 3 x, beide Arme) zu verschiedenen Zeitpunkten gemessen werden, um an Aussagekraft zu gewinnen.

Anamnese: Familienanamnese (in 70 % der Fälle positiv), Risikofaktoren, Gewichtsveränderungen (Ödeme), häufiges Nasenbluten, Verschlechterung des Sehens, Herz (Zeichen einer Herzinsuffizienz, KHK, Belastungsdyspnoe), zentralnervös (unregelmäßige Schwindelanfälle, vorübergehende Sehstörungen, Synkopen, Kopfschmerzen), Schwangerschaft (EPH-Gestose), Vorerkrankungen, Medikamente, metabolisches Syndrom, Diabetes mellitus
Palpation/Auskultation: Pulsdifferenzen (Aortenstenose), Strömungsgeräusche über Karotiden/Femoralvenen, Palpation der Nierenlager
Labor: Schilddrüsenwerte, Kreatinin, Blutbild, Blutzucker, BSG, Elektrolyte (Na., K, Ca), Fette (Cholesterin, Triglyzeride), Glucose, Katecholamine,  TSH, Nierenwerte, Urin (Eiweiß, Erythrozyten, Clearance)
Apparative Diagnostik: Blutdruck-Messung, Langzeit-Blutdruck-Messung, Langzeit-/Belastungs-EKG, Oberbauchsonographie (Nieren: Verkleinerung/ Durchblutung), Schilddrüsensonograpie, Rö-Thorax, Echokardiographie, Augenhintergrundspiegelung

Differentialdiagnose
  • kardial: Linksherzinsuffizienz, KHK
  • endokrin: Phäochromozytom (anfallsweiser hoher Blutdruck), M. Cushing, Akromegalie
  • renal: Nierenarterienstenose
  • neurologisch: Migräne
Komplikationen
  • akut: hypertensive Krise mit und ohne Organschäden
  • bei chronischen Organschäden:
  • kardial: Linksherzhypertrophie/-dilatation, Angina pectoris, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen
  • renal: Nierenversagen, Schrumpfniere, Stenosierung der Nierenarterien
  • vasal: Gangränbildung der Beine, Netzhautblutungen, Arteriosklerose, arterielle Verschlusskrankheit, Aortenaneurysma
  • zentral: TIA, PRIND, Apoplex, geistiger Abbau
Therapie Bei hohen Blutdruck- Werten Abklärung durch den Arzt!

  • Allgemeinmaßnahmen: Risikofaktoren vermeiden/behandeln (Rauchverbot, Alkoholismus, Diabetes mellitus), körperliche Betätigung (Schwimmen, Radfahren), Änderung der Lebensweise (Schlaf), Entspannungsverfahren (progressive Muskelrelaxation), Wechselduschen
  • Ernährungstherapie: Kochsalzkonsum/Körpergewicht reduzieren, Vollwert, Obst, Gemüse, Heilfasten, tierische Fette vermeiden
  • Naturheilkundliche Therapie: Aderlass, Akupunktur, Ohrakupunktur, Bachblüten, Blutegel, Eigenbluttherapie, Fußreflexzonenmassage, Homöopathie, Neuraltherapie, Phytotherapie, Stressvermeidung (autogenes Training, Yoga), Sauerstofftherapie, Schröpfen, Schüssler Salze
  • Medikamentöse Therapie: Betablocker, Diuretikum, ACE-Hemmer, Kalzium-Antagonisten
Prognose Unbehandelt treten bei 40% nach 7-10 Jahren Organschäden auf.

 

Merke
Beinödeme und Aszites sind keine Symptome der Hypertonie!

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