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Morbus Rett

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Morbus Rett

Rett-Syndrom ist eine weitere Bezeichnung für den Morbus Rett.Beim Morbus Rett handelt es sich um eine fortschreitende Gehirnerkrankung im Kindesalter. Es kommt hierbei zu einer Hirnatrophie, einer verringerten Dendritenzahl kortikaler Neuronen und zu eine Hypopigmentierung der Substantia nigra des Großhirns. Betroffen davon sind nur Mädchen, da daran erkrankte Jungen vor der Geburt sterben. Zuerst entwickeln sich die Mädchen ganz normal, doch nach wenigen Monaten kommt es zum Stillstand und später auch zum Rückgang von bereits vorhandenen Entwicklungen (Sprechen, Gebrauch der Hände). Später stabilisiert sich der Zustand der betroffenen Kinder und es kann ein normales Lebensalter erreicht werden.


Leitmerkmale: Autismus, Ataxie, epileptische Anfälle, washing movements bei jungen Mädchen
Definition Als Morbus Rett bezeichnet man eine sehr seltene Entwicklungsstörung mit beginnender und fortschreitender Enzephalopathie

Weitere Bezeichnungen
(Synonyme)
  • Rett-Syndrom
Vorkommen
(vor allem bei)
  • Mädchen: 6. bis 18. Lebensmonat
Einteilung nach Hagberg/ Witt-Engerström
  • Stadium 1 (Stagnation; 6-18. Lebensmonat): motorische Entwicklung verlangsamt bis Stillstand, Autismus (Abnahme der Aktivitäten; zeigt wenig Interesse an Spielsachen)
  • Stadium 2 (Regression; 1.-3. Lebensjahr): Rückgang der Entwicklung, bereits erlernte Fähigkeiten werden wieder vergessen (Sprache, Gebrauch der Hände), wenig Interesse an der sozialen Umgebung (ziehen sich zurück), plötzliche Schreiphasen, verlangsamtes Schädelwachstum, Handstereotypien (Kneten, Waschen, zupfen, Schlagen, Klatschen), Gangstörungen. Apraxie, Tremor, Spastik
  • Stadium 3 (Plateauphase; 2.-10. Lebensjahr): die Symptome verbessern sich (nehmen wieder an der Umwelt teil), epileptische Abfälle, Bewegungsschwierigkeiten (unsicherer Gang), Zwangsbewegungen
  • Stadium 4 (motorische Verschlechterung; ab 10. Lebensjahr):  Sozialverhalten bessert sich weiter, Anfälle selten, Verschlechterung der Grobmotorik (Schwäche, Spasmen, Rollstuhl)
Pathogenese Durch Vererbung kommt es einer verminderten Reifung des Gehirns (intrazelluläre Verbindungen) und damit ab dem 6. Lebensmonat zum Abbau von motorischen Bewegungsvorgängen. Dabei gehen schon erlernte Bewegungsabläufe verloren

Ursachen
  • Vererbung: X- Chromosom dominant (Genlokus q28, MECP2-Gen)
Symptome Keine Symptome vor dem 6. Lebensmonat:
  • monotone Bewegungsabläufe: Händewaschen (washing movements), sprachliche Entwicklung verlangsamt, unsicherer Gang
  • Psyche: Autismus, Demenz, Intelligenz vermindert, Lach-/ Schreiattacken
  • Muskeln: Spasmen, Muskelschwund, Bewegungsstörungen
  • Skelett: Skoliose, verzögertes Wachstum, kleiner Kopf
  • Gehirn: epileptische Anfälle
  • Atemwege: Luftverschlucken, Hyperventilation, Luftanhalten
  • Allgemeinsymptome: Zähneknirschen, Schlafstörungen, Speichelfluss, Schluckstörungen, Obstipation
Diagnose Anamnese: Klinik
Labor: Genuntersuchung
Apparative Diagnostik: EEG
Differentialdiagnose
  • Autismus
  • Kleefstra-Syndrom
  • Synder-Robinson-Syndrom
Komplikationen
  • schwere körperlich und geistige Behinderung
  • Verletzungen durch Stürze (Epilepsie)
  • Verständigungsschwierigkeiten: fehlende Sprachentwicklung
Therapie
  • Allgemeinmaßnahmen: Behandlung der Symptome, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Musik-/Sprachtherapie