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Morbus Wilson

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Morbus Wilson

Degeneratio hepatolenticularis, Kupferspeicherkrankheit, Pseudosklerose Westphal, hepatolentikuläre Degeneration, Wilson-Krankheit sind weitere Bezeichnungen für den Morbus Wilson. Der Morbus Wilson ist ein autosomal rezessiver Defekt im Kupferstoffwechsel, der zu einem Kupferüberangebot und zu Schäden an der Leber, dem Gehirn, den Augen, den Nieren und anderen Organen führt. Bei dieser Erkrankung kommt es zu einer verringerten Ausscheidung von überflüssigem Kupfer über die Hepatozyten (Gallenflüssigkeit). So reichert sich Kupfer im Lebergewebe an, die Hepatozyten werden geschädigt und können ihrer Funktion nicht mehr nachgehen. Kupfer wird ins Blut vermehrt von der Leber ausgeschieden und lagert sich ans Albumin an, dies gibt das Kupfer an verschiedene Körpergewebe wieder ab. Dort kommt es zu Funktionsstörungen der davon betroffenen Organe. Je nach betroffenem Organ kommt es zu verschiedenen Krankheitszeichen.


Leitmerkmale: anfangs uncharakteristisch: flüchtiger Ikterus, Hämolyse, Anämie, Kayser- Fleischer-Kornealring, später: Organsymptome
Definition Beim Morbus Wilson handelt es sich um eine Erkrankung mit verminderter Ausscheidung und damit Anhäufung von Kupfer in den verschiedenen Organen

Weitere Bezeichnungen
(Synonyme)
  • Degeneratio hepatolenticularis
  • Kupferspeicherkrankheit
  • Pseudosklerose Westphal
  • Hepatolentikuläre Degeneration
  • Wilson-Krankheit
Vorkommen
(vor allem)
  • zwischen dem 5. und 45. Lebensjahr
Pathogenese Durch eine pathologisch verminderte Kupferausscheidung (über die Gallenflüssigkeit) und eine verminderte Bindung des Kupfers im Blut kommt es zur vermehrten Speicherung von Kupfer in der Leber und in anderen Organen

Ursachen
  • Vererbung: autosomal-rezessiv (Chromosom 13, ATP7B-Gen)
Symptome Lange asymptomatisch, kann bis zu einer starken Beeinträchtigung führen:
  • Frühsymptome: flüchtige ikterische Schübe, Hämolyse (Blutungsneigung), Anämie, Leukopenie, Thrombopenie, Hepatomegalie
  • Augen: Kayser-Fleischer-Kornealring (goldgelbe-grünliche Kupfereinlagerung in der Korea)
  • Nervensystem: Sprech-/Schluckstörungen, Koordinations-/ Feinmotorikstörungen, Hypersalivation (vermehrter Speichelfluss), Konzentrationsstörungen, Parkinsonsymptome (Tremor), maskenhaft starres Gesicht, Pyramidenzeichen, Flapping Tremor, Intensionstremor
  • Verdauungstrakt: rezidivierende Schmerzattacken, wiederholte hämolytische Schübe
  • Leber: Lebervergrößerung, chronische Hepatitis bis Leberzirrhose, hepatozelluläres Karzinom
  • Nieren: Proteinurie, Polyurie, Glukosurie, Nierensteine, Hyperphosphaturie
  • Skelett: Arthropathien (Knie, Hüfte, Schulter, Ellenbogen, Handgelenk), Osteopenie, Spontanfrakturen, Knochenzysten
  • Psyche: Psychose, Demenz, Persönlichkeitsveränderungen
  • Blut: wiederkehrenden hämolytische Anämie
  • später: Veränderungen an Nieren/ Herz (Kardiomyopathie)/ Bewegungsapparat/ Haut
Diagnose Anamnese: Familie
Körperliche Untersuchung:
  • Inspektion: Kayser-Fleischer-Korealring
  • Coombs-Test
Labor: Blutbild (Leukopenie, Thrombopenie), Coeruloplasminspiegel erniedrigt, Kupfer erniedrigt, Kupfer im Urin erhöht
Apparative Diagnostik: Leberbiopsie (Kupferbelastung?), MRT, Röntgen
Differentialdiagnose
  • Verdauungssystem: Leberzirrhosen Malabsorptionssyndrome
  • Nervensystem: Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Chorea minor
  • Harnapparat: nephrotisches Syndrom
  • H63D-Syndrom
Komplikationen
  • Osteomalazie
  • Leberzirrhose 
  • Nephrolithiasis
  • Arrhythmien
  • Tod durch Leberversagen
Therapie
  • Allgemeinmaßnahmen: Behandlung der Symptome, Vermeidung von Kupferaufnahme
  • Ernährungstherapie: Vitamin B6, kupferarme Diät: keine Meeresfrüchte, Innereien, Nüsse, Rosinen, Schokolade, Kakao, Pilze, Leber, Käse
  • Naturheilkundliche Therapie: Bachblüten, Homöopathie, Psychotherapie, Schüssler Salze
  • Medikamentöse Therapie: Chelatbildner (D-Penicillamin, Trientine), Kupferaufnahmehemmer, Zink
  • Operative Therapie: Lebertransplantation (bei Leberzirrhose)
Prognose Gut bei frühzeitiger Therapie, unbehandelt letal.