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Perniziöse Anämie

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Perniziöse Anämie

Morbus Biermer, Biermer-Anämie, Addison-Anämie, Anaemia perniciosa sind weitere Bezeichnungen für die perniziöse Anämie. Als perniziöse Anämie bezeichnet man eine Resorptionsstörung von Vitamin B12.  Es handelt sich hierbei um eine makrozytäre, hyperchrome Blutarmut. Die Ursache hierfür ist ein Mangel an Intrinsic Faktor. Vitamin B12 kann nur mittels Intrinsic Faktor, gebildet im Magen, aus der Nahrung über das Ileum aufgenommen werden. Dieses spielt eine wesentliche Rolle bei der Blutbildung. Kommt es zur perniziösen Anämie so treten vielfältige neurologische Schäden auf, die unbehandelt zum Tod führen können.


Leitmerkmale: Trias:
Hämatologisch: Müdigkeit, strohgelbe Hautfarbe
Neurologisch: Polyneuropathie, Parästhesien
Gastrointestinal: Gastritis, Hunter-Glossitis
Definition Bei der perniziösen Anämie handelt es sich um eine besondere Form der Blutarmut, da hierfür ein Mangel am Intrinsic Factor verantwortlich ist

Weitere Bezeichnungen
(Synonyme)
  • Morbus Biermer
  • Biermer-Anämie
  • Addison-Anämie
  • Anaemia perniciosa
Vorkommen
(vor allem bei)
  • Frauen: um das 60. Lebensjahr herum
Pathogenese Wichtig für die Aufnahme von B12 im Körper ist ein saures Magenmilieu, ein funktionierendes Ileum und ein vorhandener Intrinsic-Faktor. Durch einen B12-Mangel kommt es zu einer Beeinträchtigung der Reifung und Zellteilung der roten Blutkörperchen produzierenden Zellen und somit zu einer Anämie

Ursachen
  • Mangel an Intrinsic-Faktor: dadurch zu wenig Vitamin B12 im Blut
Risikofaktoren
  • gestörte Resorption (von Vitamin B12 im terminalen Ileum): Mangel an Intrinsic Faktor, Erkrankungen am Ileum, Medikamente (Magensäurehemmer), Drogen, Kurzdarmsyndrom
  • Magenerkrankungen: häufigste Ursache, v.a. Frauen um das 60. Lebensjahr sind betroffen: chronischer Gastritis; Mangel an Intrinsic-Faktor (nach Magenresektion, aber auch bei chronisch atrophischer Gastritis mit Antikörperbildung gegen Intrinsic-Faktor)
  • Darmerkrankungen: Malabsorptionssyndrom (Morbus Crohn, Sprue, bei Kindern Zöliakie),
  • verminderte Zufuhr: streng vegetarische Ernährung (kein Fleisch/ Milchprodukte), Alkoholiker, Kinder
  • gesteigerter Bedarf: Schwangerschaft, Stillen, Wachstum, Tumoren, Hämodialyse
  • Medikamente: Antibiotika, Zytostatika, Kontrazeptiva, Aciclovir
  • Allgemein: exokrine Pankreasinsuffizienz, Fischbandwurm, bakterielle Überwucherung, Zollinger-Ellison-Syndrom
Risikofaktoren
  • Autoimmunerkrankungen: Morbus Addison, Morbus Hashimoto)
  • Hypogammaglobulinämie
  • Vegetarier
Symptome Schleichend:
  • Anämiesymptome: Blässe, Müdigkeit, Schwindel, Zungenbrennen, Leistungsminderung, Gedächtnisstörungen
  • Allgemeinsymptome: Infektanfälligkeit, Blutungsneigung, Gewichtsabnahme, Dyspnoe, Appetitlosigkeit
  • Verdauungstrakt: allgemeine Verdauungsbeschwerden, Autoimmungastritis mit Völlegefühl und Appetitlosigkeit, Durchfälle, Blähungen, Aufstoßen
  • Haut: Hunter-Glossitis(glatt-rote, brennende Zunge), leichter Ikterus, frühzeitiges Ergrauen, dünne Haut
  • Nerven: Polyneuropathie mit Sensibilitätsstörungen und Missempfindungen, Schmerzen, Lähmungen (Hände, Füße), Pyramidenbahnzeichen, Gangunsicherheit (spinale Ataxie), Seh-/Sprachstörungen, Gedächtnisstörungen
  • Psyche: Gemütsveränderungen (häufig schon vor den Blutbildveränderungen vorhanden), Antriebsmangel
Diagnose Anamnese: Klinik, Vorerkrankungen, Operationen, Verdauungsbeschwerden, Essgewohnheiten, Alkoholkonsum, Medikamente
Körperliche Untersuchung: Ganzkörperstatus, neurologischer Status (Reflexe, Vibrationsempfinden, Sensibilität, Kraft, Blasen- und Mastdarmstörungen, Gangprüfung)
  • Inspektion: Blässe, Lackzunge, Hautfarbe (Café-au-lait-Färbung), Subikterus der Skleren (vermehrter Erythrozytenabbau => vermehrt Bilirubin)
  • Palpation: Leber
  • Auskultation: funktionelle Herzgeräusche, Pulsfrequenz erhöht
Labor: BSG erhöht, Blutbild (Hämatokrit erniedrigt, Erythrozytenzahl erniedrigt/ megaloblastär/hyperchrom, Retikolozytenzahl erniedrigt, Leukozyten erniedrigt, Thrombozyten erniedrigt, Hämoglobinwert evtl. unauffällig), MCH erhöht, MCV erhöht, Vitamin B12 erniedrigt, LDH erhöht, Eisen erhöht, evtl. Bilirubin erhöht, Autoantikörper (Anti-Parietalzell-Antikörper, Anti-Intrinsicfaktor-Antiköper), Urin (Methylmalonsäure)
Apparative Diagnostik: Knochenmarkspunktion, Gastroskopie, Holo-TC-Test, Schilling-Test bei Vitamin B12-Mangel (evtl. Malabsorption), Figlu-Test bei Folsäure-Mangel
Differentialdiagnose
  • akute Leukämie
  • Borreliose
  • chronisches Erschöpfungssyndrom
  • Fibromyalgie
  • Folsäuremangel-Anämie
  • hämolytische Anämie
  • Kollagenosen: Lupus erythematodes, Sklerodermie, Sjögren-Syndrom, Antiphospholipid-Syndrom
  • Nebennierenrindeninsuffizienz
  • Osteoporose
  • Polyneuropathie
  • Restless-Legs-Syndrom
  • rheumatoide Arthritis
Therapie
  • Allgemeinmaßnahmen: Behandlung der Risikofaktoren
  • Ernährungstherapie: kaliumreiche Kost (Bananen, Trockenobst)
  • Naturheilkundliche Therapie: Homöopathie, Phytotherapie, Schüssler Salze
  • Medikamentöse Therapie: Vitamin B12, gleichzeitig Eisen und Kalium aufgrund der gesteigerten Erythropoese, Folsäure
Merke
Der Vitamin B12-Mangel geht nicht auf eine Resorptionsstörung des Duodenums zurück! (Cave: Resorption im terminalen Ileum).
Merke
Bei megaloblastärer Anämie (perniziöse Anämie, Folsäureanämie) ist die Erythrozytenzahl niedrig, aber nicht unbedingt das Hämoglobin, weil ein einzelner Erythrozyt dann mehr Hämoglobin aufnimmt => hypochrom, da pro Erythrozyt mehr Hämoglobin.