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Shunt

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Shunt

Beim Shunt handelt es sich um eine natürliche oder künstlich angelegte Kurzschlussverbindung zwischen zwei getrennten Hohlräumen (Gefäßen) oder Körperhöhlen. Der Zweck dafür ist ein Austausch von Flüssigkeiten.


Leitmerkmale: je nach Shunt verschieden
Definition Als Shunt versteht man eine Kurzschlussverbindung zwischen zwei normalerweise getrennten Gefäßen oder Hohlräumen

Einteilung allgemein
  • natürlich vorkommende Shunts: bei Fehlbildungen (Herzfehler)
  • operative gelegte Shunts: zur Dialyse, Liquor
Einteilung
  • embyonale Shunts: angeborene Shunts, nötig da die Lunge nicht mit Sauerstoff versorgt wird und so eine Umleitung des Kreislaufes über die Plazentaschlagader notwendig ist.
    • Ductus venosus (Ductus Arantii): die Leber wird umgangen, die Nabelvene wird mit der unteren Hohlvene verbunden
    • Foramen ovale: Verbindung zwischen rechten und linken Vorhof, das Blut wird von der oberen Hohlvene direkt dem linken Herz zugeführt
    • Ductus Botalli (Ductus arteriosus): Verbindung zwischen dem Truncus pulmonalis und der Aorta, die Lungen werden umgangen
  • hämodynamische Shunts: Shunts zwischen der rechten und der linken Herzhälfte (bei angeborenen Herzfehlern: Vorhof-/ Ventrikelseptumdefekte), AV- Fisteln (Kurzschlussverbindungen zwischen Arterien und Venen)
  • Dialyseshunts: künstlich (Operation) angelegte Verbindungen zwischen Arterie und Vene zur Dialyse (v.a. am Unterarm)
  • ventrikulo- peritonealer Shunt: künstliche Verbindung zwischen Gehirn (Ventrikelsystem) und der Peritonealhöhle (zum Ableiten des Liquors bei Hydrozephalus)
  • ventrikulo-atrialer Shunt: operative Verbindung zwischen dem Ventrikelsystem des Gehirns und dem rechten Herzvorhof (bei Hydrocephalus)
  • ventrikulo-pleurales Shunt: künstliche Verbindung zwischen dem Ventrikelsystems des Gehirns und dem Pleuraspalt (bei Hydrocephalus)
  • splenorenaler Shunt: künstlich gelegt, zwischen der Vena splenica und der linken Vena renalis (bei portaler Hypertension: Leberzirrhose/ Pfortaderthrombose)
  • transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Stent-Shunt: dient der Umgehung des Leberstromgebietes (rezidivierende Ösophagusvarizenblutungen/ Aszites/ Budd-Chiari-Syndrom)
  • lumbo-peritonealer Shunt: operative Verbindung zwischen dem Ventrikelsystems des unteren Rückenmarks und der Bauchhöhle (bei erhöhtem intrakraniellem Druck
  • Blalock-Taussig-Anastomose: künstliche Verbindung zwischen der Arteria subclavia/ Arteria carotis communis und der Arteria pulmonalis (bei Fallot-Tetralogie / andere Herzfehler)
  • Kirklin-Shunt: künstliche Verbindung zwischen der Aorta ascendens und der Pulmonalarterie (bei Fallot-Tertralogie)
  • Potts-Shunt: künstliche Verbindung zwischen der linken Arteria pulmonalis und der Aorta descendens (bei pulmonaler Hypertonie)
  • Waterston-Cooley-Shunt: operative Verbindung zwischen der Aorta ascendens und der Arteria pulmonalis dexter (bei Fallot-Tetralogie)
Einteilung nach Organen
  • Herz: Verbindungen zwischen Lungen- und Körperkreislauf
    • Rechts-Links-Shunts: sauerstoffarmes Blut gelangt von den Venen (unter Ausschluss des Lungenkreislaufs) sofort in die Arterien (Vorhof-/ Kammerseptumdefekte), Folge: Zyanose
    • Links-Rechts-Shunts: sauerstoffreiches Blut gelangt von den Arterien (unter Ausschluss des Körperkreislaufs) sofort in die Venen (Ductus Botalli), Folge: Herzerweiterung
  • bidirektionaler Shunt: Kombination von einem Rechts-Links-Shunt mit einem Links-Rechts-Shunt, das Blut fließt durch einen Links-Rechts-Shunt in zwei Richtungen (Systole Rechts-Links-Shunt, Diastole Links-Rechts-Shunt)
  • Lunge: Blutgefäßverbindungen (Arterie-Vene) ohne dass das Blut am Gasaustausch teilnimmt, bei Atelektasen
  • Leber (portosystemischer Shunt): Verbindung zwischen dem Pfortadersystem und der Vena cava inferior
Ursachen Siehe Einteilung

Symptome Je nach Shunt verschieden

Diagnose Je nach Shunt verschieden
Therapie Je nach Shunt verschieden

Sonderfall:
 Dialyse-Shunt
Operativ angelegte Verbindung zwischen Arterie und Venen um niereninsuffiziente Patienten an ein Dialysegerät anhängen zu können (Mindestflussrate 250-350 ml pro Minute).
  • Lokalisation: Unterarm/Oberarm: Arteria radialis, Arteria ulnaris, Arteria brachialis zu Vena cephalica, Vena basilica, Vena mediana cubiti
  • Indikation: Blutreinigung, wenn die Nieren den Körper nicht mehr vollständig entgiften können
  • Komplikationen: Infektionen, Hämatom (durch Punktion), Thrombose, Aneurysma, unzureichender Blutfluss, Steal-Syndrom (Minderdurchblutung der Extremität), Herzinsuffizienz