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Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom

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Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom (vWS)

Willebrand-Jürgens-Syndrom, von-Willebrand-Krankheit, Angiohämophilie sind weitere Bezeichnungen für das von-Willebrand-Jürgens-Syndrom. Als von-Willebrand-Jürgens-Syndrom bezeichnet man einen autosomal dominanten bedingten Defekt des Von-Eillebrand-Faktors mit verminderter Konzentration und/oder verminderter Aktivität des von-Willebrand-Faktors und/oder des Gerinnungsfaktors VIII. Es kommt somit zu einer Störung der Thrombozytenaggregation bei normaler Thrombozytenzahl. Die Ausprägung der hierbei entstehenden Beschwerden ist sehr unterschiedlich. Man unterscheidet drei verschiedene Formen.


Leitmerkmale: petechiale und flächige Blutungen, Schleimhautblutungen
Definition Beim von-Willebrand-Jürgens-Syndrom handelt es sich um die am häufigsten vorkommende krankhaft gesteigerte Blutungsneigung

Weitere Bezeichnungen
(Synonyme)
  • Willebrand-Jürgens-Syndrom
  • von-Willebrand-Krankheit
  • Angiohämophilie
Einteilung
  • Typ I:
    • Allgemein: 90% der Fälle
    • Auslöser: quantitative Mangel des Willebrand-Faktors
    • Ursachen: Vererbung (autosomal-dominant)
    • Symptome: milde, Neigung zu langandauernden Nachblutungen/ ausgeprägte Hämatome/ gehäufte Menorrhagien
  • Typ II:
    • Allgemein: fünf Untergruppen: Typ2 A/ B/ C/ M/ N
    • Auslöser: qualitativer Mangel des Willebrand-Faktors
    • Ursachen: Vererbung (autosomal-rezessiv)
  • Typ III:
    • Allgemein: schwerste/seltenste Form
    • Auslöser: völliges Fehlen oder starke Verringerung des von -Willebrand-Faktors
    • Ursachen: Vererbung (autosomal-rezessiv)
Pathogenese Durch einen angeborenen Defekt kommt es zu einer verminderten Zusammenklumpung der Thrombozytenblättchen

Ursachen
  • Vererbung: autosomal-dominant (Chromosom 12, Genlokus p13.1, verschiedene Gene)
  • erworben (selten): im Rahmen anderer Grunderkrankungen (maligne Lymphome/ Herzklappendefekte/ Aortenstenose, IgA-Vaskulitis/ Autoimmunerkrankungen, Nebenwirkung von Valproinsäure)
Symptome Ähnlich der Hämophilie, aber milder (selten spontane Blutungen):
  • Blutungen: erhöht, petechial, flächig, Schleimhaut, Nasenbluten, postoperative/posttraumatische lange Nachblutungen, großflächige Hämatome, starke/ zu lange Regelblutungen, blutiger Gelenkserguss
Diagnose Anamnese: Klinik, Familienanamnese
Körperliche Untersuchung: Rumple-Leede-Test positiv
Labor: Blutbild,Blutungszeit verlängert, Quick, PTT, Thrombozyten normal, Faktor VIII, Willebrand-Faktor
Differentialdiagnose
  • Hämophilie A
Komplikationen
  • Blutungen
Therapie NOTFALL: 
  • Allgemeinmaßnahmen: bei akuter Blutung Druckverband, Hochlagerung, Kälteanwendung, Ruhigstellung
  • Medikamentöse Therapie: Faktor VIII/ vWF- Konzentrat bei akuter Blutung oder vor operativen Eingriffen, bei leichten Fällen Desmopressin
Prognose Normale Lebenserwartung.

Notfall

Notfallmaßnahmen bei einer akuten Blutung:

  • - Anruf: Notarzt, sofortige Klinikeinweisung (Substitution)
  • - Allgemeinmaßnahmen: Patienten beruhigen, beengte Kleidung entfernen, Patient zudecken, Druckverband, Kälteanwendung, Ruhigstellung
  • - Lagerung: Hochlagerung
  • - Vitalzeichenkontrolle: engmaschig
  • - Reanimation: wenn nötig
  • - Zusatzmaßnahmen: Sauerstoffgabe, i.v.- Zugang, evtl. Schockbehandlung