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Morbus Raynaud

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Morbus Raynaud

Raynaud-Syndrom, Weißfingerkrankheit, Raynaud-Phänomen, Reilscher Finger, Digitus mortuus sind weitere Bezeichnungen für den Morbus Raynaud. Der Morbus Raynaud ist eine durch Angiospasmen auftretende anfallsweise rezidivierende Mangeldurchblutung (arterielle Minderversorgung) der Finger oder Zehen. Meistens ist davon der 2.- 5. Finger betroffen und das vor allem bei Frauen. Es kommt hierbei zu einer Fehlregulation des Sympathicus mit übermäßiger Gefäßverengung der Endarterien. Die Krankheitszeichen treten schnell und spontan auf und können über Stunden anhalten. Die Spasmen lösen sich meist von selbst wieder auf. Trotzdem besteht die Gefahr, bei längerem Anhalten der Symptome, von einer Gefäßschädigung mit Nekrosen.  Die Behandlung häng sehr mit dem Schweregrad und der Art der Erkrankung zusammen. Wichtig ist hierbei den Auslöser zu vermeiden.


Leitmerkmale:  plötzliche, scharf begrenzte Blässe der Finger 2-5
Definition Beim Morbus Raynaud handelt es sich um eine Erkrankung der Gefäße der Finger oder Zehen

Weitere Bezeichnungen
(Synonyme)
  • Raynaud-Syndrom
  • Weißfingerkrankheit
  • Leichenfinger 
  • Raynaud-Phänomen
  • Reilscher Finger
  • Digitus mortuus
Vorkommen
(vor allem bei)
  • Frauen: zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr
Pathogenese Durch einen erhöhten Sympathikustonus kommt es zu Spasmen der Fingerarterien (krampfhafte Verengung der Blutgefäße), wodurch diese nicht mehr ausreichend arteriell durchblutet werden

Einteilung/Ursachen
  • primäre (idiopathische) Ursachen (symmetrisch): keine erkennbaren Grunderkrankungen, Auslöser sind Kälteexposition/Mikrotraumen (Motorradvibrationen, Presslufthammer), evtl. Vererbung, selten Stress, keine Nekrosen
  • sekundäre Ursachen (asymmetrisch): führt zu Vasospasmen, Gefäßverschlüsse, Verschlechterung der Fließeigenschaften des Blutes
    • Gefäße: Arteriosklerose, arterielle Verschlusskrankheit, Polyzythämie, Embolien (kardial), Morbus Buerger, Thrombangiitis obliterans
    • Nerven: Komprimierung des Armplexus, Sudeck-Syndrom, Mikrotraumen (Presslufthammer), Neuritis, Multiple Sklerose, Poliomyelitis, Bandscheibenvorfall, Karpaltunnelsyndrom, Apoplex, Rückenmarkstumore
    • Blut: Polycythaemia vera, Thrombozythämie, Kälteagglutininämie, Kryoglobulinämie
    • Medikamente: Sympathomimetika, Beta-Rezeptorenblocker, Zytostatika, Pille
    • Autoimmunerkrankungen: Sklerodermie, Lupus erythematodes, chronische Polyarthritis, CREST-Syndrom, Sjögren-Syndrom, Sharp-Syndrom, Polymyositis, Ehlers-Danlos-Syndrom, rheumatoide Arthritis, Dermatomyositis
    • Erkrankungen: Schwermetallvergiftung, Plasmozytom, Non-Hodgkin-Lymphom, Wirbelsäulenerkrankungen
    • Stoffwechsel: Diabetes mellitus, Akromegalie, Phäochromozytom, Myxödem
    • Allgemein: Traumata, Überlastungen, Arbeit mit vibrierenden Werkzeugen (Presslufthammer/ Motorsäge), Erfrierungen. Thoracis-outlet-Syndrom
    • Medikamente: Zytostatika, Betablocker, Ergotaminpräparate, Pille, dopaminerge Substanzen
    • Drogen: Kokain, Designerdrogen
Auslöser
  • Stress
  • Kälte
Ablauf Trikolore-Phänomen, die Ausprägung der drei Phasen ist sehr unterschiedlich:
  • Ischämie:
    • Ursachen: anfallweise Gefäßkrämpfe und dadurch Verengung der Arterien
    • Symptome: Blässe der Haut, Weißverfärbung einzelner Finger/Zehen, Gefühlslosigkeit, Taubheitsgefühl, abnehmende Beweglichkeit, Schmerzen
  • Zyanose:
    • Ursachen: Hypoxie, die Venen erweitern sich und geben mehr Blut ins Gewebe ab
    • Symptome: Bläue der Haut
  • Hyperämie:
    • Ursachen: durch Vasodilatation kommt es zu einer vermehrten Durchblutung der Haut
    • Symptome: Hautrötung, Schwellung, Kribbeln, Schmerzen, Hitzegefühl
Symptome Anfallweise, meist ausgelöst durch Kälte/Stress (Dauer: 10-20 Min.):
  • primär (Vasospasmus der Digitalarterien): Blässe, zunehmende Kälteempfindlichkeit, Sensibilitätsstörungen, Taubheitsgefühl
  • sekundär (Dilatation der Kapillare/Venolen): Zyanose,Parästhesien (Kribbeln), Kältegefühl, Schmerzen
  • tertiär (Auflösung des Spasmus): Rötung, Schmerzen, Hyperämie
Psychosomatik
  • auslösende Situationen:
    • Kälte und/oder emotionale Faktoren
    • Trennungssituation (Scheidung, Tod)
    • Situationen in denen Impulse außer Kontrolle geraten
    • Zurückgewiesen werden, ausgeliefert sein
    • Situationen, in denen das Selbstwertgefühl bedroht ist
  • Menschentyp:
    • aktiver Typ: leistungs-/Geltungsehrgeiz, viel beschäftigt, unruhig, um Distanz bemüht, gereizt, latente Aggressivität
    • passiver Typ: empfindsam, introvertiert, weich, depressiv
    • Auswirkungen:
    • zunehmende Kontrolle der Bedürfnisse nach Nähe/Wärme um nicht enttäuscht zu werden
    • Angst vor dem Ausgeliefert sein
Diagnose Inspektion: Klinik, Vorerkrankungen, Medikamente
Körperliche Untersuchung: Temperaturunterschiede, lokale trophische Störungen
Labor: BSG erhöht, CRP erhöht, Blutbild, Eiweißelektrophorese, Antikörper
Apparative Diagnostik: Sonografie, Arteriografie, Oszillografie
Tests: Faustschlussprobe, Allen-Test, Kälteprovokationstest (Eiswasser)
Differentialdiagnose
  • Gefäße: periphere Embolie, arterielle Verschlusskrankheit, Thrombangiitis obliterans
  • lokal: Akrozyanose (kardial-pulmonal), Fingerhämatom, Polyneuropathie, Kollagenosen, Karpaltunnelsyndrom
Komplikationen
  • Kapillaraneurysmen
  • Nekrosen
  • Gangrän
Therapie
  • Allgemeinmaßnahmen: Grunderkrankung behandeln, Rauchverbot, Vermeiden von Kältereizen, Erwärmung (handwarme, ansteigende Teilbäder, Krankengymnastik, Bewegungstherapie, Stressreduktion (progressive Muskelrelaxation, autogenes Training)
  • Naturheilkundliche Therapie: Akupunktur, Ohrakupunktur, Bachblüten, Homöopathie, ansteigende Bäder (Vorsicht mit Kampfer-/ Rosmarinöl), manuelle Therapie, Neuraltherapie, Schüssler Salze
  • Medikamentöse Therapie: Nitropräparate, Kalziumantagonisten, ACE-Hemmer, vasoaktive Substanzen
  • Operative Therapie: thorakale Sympathektomie (schwere Fälle)
Prognose 75 % heilbar.

Cave
Morbus Raynaud kann ein erstes Anzeichen einer Kollagenose (Sklerodermie, Lupus erythematodes) sein.
Merke
Morbus Raynaud ist keine OP-Indikation.
Merke
Normalerweise sind die Finger 2-5 betroffen, sind nur einzelne Finger betroffen, so spricht man vom Digitus mortuus.